Unser schönes Görlitz

Die Stadtmauer von Görlitz – Stadtbefestigung des Mittelalters

Die Stadtmauer in Görlitz wurde nach 1250 erbaut und ersetzte die Holzpalisaden, die bis dahin die Stadt Görlitz schützen. Die Stadtmauer verlief in einem kleinen östlichen Teil als doppelten Ring und war eine der wehrhaftesten Verteidigungsanlagen ihrer Zeit. Zur mittelalterlichen Stadtbefestigung, die bis heute die Görlitzer Altstadt zu einem kleinen Teil umschließt, gehörten Gräben, Türme, Stadttore und Basteien. Wir nehmen euch mit auf eine Entdeckerreise durch die Görlitzer Wehranlagen zur mittelalterlichen Stadtmauer.

Vom Nikolaizwinger über die äußere Stadtmauer schauen

Das erfahrt ihr über die Stadtmauer in Görlitz

Große Teile der Stadtmauer fielen der Stadterweiterung im 19. Jahrhundert zum Opfer und wurden abgebrochen. Glücklicherweise sind viele Bauten erhalten geblieben.

Die Geschichte und der Ursprung der Görlitzer Stadtmauer

Vor dem Abriss kam die Stadtmauer auf eine Länge von 5583 Ellen, was so viel wie 3,7 km sind. Heute gibt es noch alte Pläne aus dem 17. Jahrhundert, die den Zustand der damaligen Befestigung dokumentieren. Der nordwestliche Teil und die Ecke der Mauer bildet der Pulverturm. Er würde sich am heutigen Kreisverkehr an der Jägerkaserne befinden. Von da aus verlief die Mauer über die Hugo-Keller-Straße bis hin zum Nikolaiturm.

Glücklicherweise ist die Stadtbefestigung zu weiten Teilen zwischen der Peterskirche im Südosten und dem Nikolaiturm im Nordwesten erhalten geblieben. Bis heute ist die Grünanlage im Nikolaizwinger begehbar und eine der schönsten Gartenanlage der Stadt.

Observatorium Sculteti an der Görlitzer Stadtmauer unterhalb der Peterskirche

Observatorium Sculteti, der Jungfernsprung in der Görlitzer Stadtmauer

Bartholomaeus Scultetus, Bild Österreichische Nationalbibliothek, gemeinfrei via wikimedia

Wie der Name es ahnen lässt ist der geheimnissvolle Vorbau in der Stadtmauer ein Observatorium in dem  Bartholomäus Scultetus ( lebte von 1540 bis 1614) seinen Himmelsbeobachtungen nachgegangen war. Scultetus war Görlitzer Bürgermeister, Stadtrichter und Mathematiker, vorallem aber einer der bedeutendsten Astronomen seiner Zeit.

In Görlitzer befasste er sich auch mit neuen Methoden der exakteren Zeitmessung und der Installation von Sonnenuhren. Scultetus war für die Einführung des zwölfteiligen Zifferblattes hoch oben an der Görlitzer Rathausuhr verantwortlich.

Erweiterung der Stadtmauer

1250 wurde die Stadtmauer in Görlitz erweitert. Bis dahin boten Holzpalisaden den einzigen Schutz. Diese befanden sich auf der heutigen Hochebene der Peterskirche und des Vogtshofes. Danach ersetzte man die Palisaden Stück für Stück durch eine steinerne Befestigung.

Das war ein Mauerring, der um die Stadt verlief. Ausgenommen von einem kurzen Stück auf der Ostseite von Görlitz umschloss die Stadtmauer die Stadt in einem doppelten Ring. Die Außenmauern erreichten eine Höhe von 6 bis 8 Ellen. Die inneren Mauern waren noch stärker und höher. Auf der Innenseite befanden sich Treppen, Schießlöcher und hölzerne Geländer.

Stadtmauer von Görlitz mit Hotherturm unterhalb des Vogtshof

An den Mauern waren Ziegeldächer eingearbeitet. Die Gebiete, die zwischen den Mauern verliefen, nannte man Zwinger. In den Zwischenräumen stellten die Tuchmacher ihre Rahmen auf. Dies wurde erst durch die Stadt und einen Ratsbeschluss verboten. Später nutzten die Görlitzer die Grasflächen der Zwinger für Obstbäume und Zimmererarbeiten. Unter anderem wurden in diesem Bereich Glocken gegossen. Im Osten vom Frauenturm führten die Schützen in einem eigenen Schützenhaus jede Woche ihre Übungen durch.

Die Zwinger in der Stadtmauer

Bis heute bekommst du eine Vorstellung von diesen Gebieten, wenn du dir den heutigen Nikolaizwinger anschaust. Am heutigen grünen Graben entlang verläuft der Bauzwinger. Er führte hinunter bis fast zum Hundsloch. Hier setzte sich der Holzzwinger bis zum Nikolaiturm durch. Der Zwinger, der sich zwischen den südlichen Mauern befand, trug den Namen Schießzwinger oder Rähm-Zwinger. Der Waisenhaus-Zwinger befand sich an der westlichen Seite des Frauentores in der Nähe des damaligen Waisenhauses, das heute die Annenschule ist.

Nikolaizwinger in Görlitz, Einblicke in die historische Gartenanlage zwischen den Stadtmauern

Die Verteidigungsanlagen von Görlitz

Drohte Gefahr, wie während der Hussitenkriege, standen die Wächter mit Bratpfannen und siedendem Pech sowie kochendem Wasser auf den Erkern und auf den Übergängen.

1639 war Görlitz von schwedischen Truppen unter der Führung von Oberst Wancke besetzt. Angesichts der drohenden Gefahr durch die anrückenden kaiserlichen Truppen konstruierte man gemeinsam mit 1.300 Soldaten etwas zur Verteidigung der Stadt. Sie verstärkten die Stadtbefestigung durch weitere Palisadenwälle und Gräben sowie zusätzliche Schießscharten, die sie in die Befestigungsmauern hineinbrachen. Am 25. Juli 1641 war es so weit und die Soldaten rückten mit der Artillerie an.

Ochsenzwinger zwischen den beiden Stadtmauern, Aufstieg zur zweiten Terrasse

Den schwedischen Truppen fehlte eine eigene Artillerie. So mussten sie nach 10 Wochen ihre Verteidigung aufgeben. Besonders hart umkämpft war das Rondell am südöstlichen Stadtrand. Dort entlang verläuft die heutige Berckstraße. Dieses Gebiet trägt den Namen schwedischer Fähnrich.

  • Durch die Belagerung wurde eine kaiserliche breche in die Stadtmauer geschlagen.
  • Man schloss sie noch im selben Jahr mit Brettern, Wolldecken und Mist.
  • Es sollte 23 Jahre ins Land gehen, bis es möglich war, die Schäden an der Stadtmauer vollständig zu beseitigen.
  • Im 19. Jahrhundert ging es der Stadtmauer von Görlitz an den Kragen.
  • 1838 verwendeten die Bauern Granitplatten für die Verkleidung der Stadtmauer anstelle der Schindeln.

Mit Zustimmung des preußischen Staates gestattete man den Abbruch des städtischen Verteidigungsringes. Gleichzeitig verpflichtet sich die Stadt Görlitz, eine neue Kaserne zu errichten. Das ist die heutige Jägerkaserne. Hinzu kam ein Blockhaus für den militärischen Schutz und ein Eisenbahnviadukt.

Stadtmauer von Görlitz unterhalb der Peterskirche, mit Observatorium Sculteti

Der Abriss begann 1848 im Süden, wo die heutige Elisabethstraße verläuft. 1851 sowie 1854 und 1855 folgten die westlichen und nördlichen Mauern. Einzig und allein die Stadtmauer entlang des Nikolaigrabens mit dem wunderschönen Nikolaizwinger war vom Abriss verschont.

In der Jägerkaserne errichteten stationierte Truppenverbände von 1859 bis 1945 ihre Unterkunft. Heute beherbergt die Kaserne Teile der Stadtverwaltung. Nach der Fertigstellung des Viadukts verpachtete Görlitz das Blockhaus an einen Besitzer eines Gasthofes. Hier errichtete der Besitzer Marold ein Restaurant, das bis 1951 in Betrieb unter unterschiedlichen Pächtern war. Seit 1954 befindet sich hier eine Kindertagesstätte.

Der Verlauf der Stadtmauer durch Görlitz

An der nordöstlichen Ecke der Stadtmauer befand sich die Hotherbastei. Von der Peterskirche verlief die Mauer an der Uferstraße entlang bis hin zum Ochsenzwinger, wo sie sich südlich fortsetzte. Ungefähr auf Höhe der Berckstraße verlief die Mauer nach Westen. Zu der südöstlichen Eckbastion gehört der schwedische Fähnrich. An der Berckstraße entlang verläuft die Mauer in Richtung des Frauentores hin zum dicken Turm.

Kupferstich Daniel Pezolds der Stadt Görlitz aus dem Jahr 1714, Bild: wikimedia, Lizenz, public domain – gemeinfrei via wikimedia

Wo sich heute der Marienplatz befindet, verlief damals der Graben am Frauentor. Ausgehend von dem dicken Tor verlief die Stadtmauer über die Straße am Museum bis hinter das Theater zwischen dem Platz des 7. Juni und dem Demianiplatz. Ihr Ende fand sie am Kaisertrutz. Von hier aus verfolgt die Stadtmauer ihren Weg bis zum Pulverturm.

Rathausturm Blick über Görlitz auf den Dicken Turm

Rathausturm Blick auf den Dicken Turm (Frauenturm)

Heute hast du die Gelegenheit, die unterschiedlichen Türme von Görlitz als Zeitzeugen der einzigen Stadtmauer und die verbliebenen Teile zu besichtigen. Noch immer ist Görlitz eine Stadt, die eine enorme Vielfalt an Denkmälern, Zeitzeugen und  abwechslungsreichen, architektonischen Bauwerken vorweist. Das gilt auch für die Stadtmauer, die bis heute zu einem der Wahrzeichen von Görlitz gehört. Auch wenn es sie nur noch in Bruchstücken gibt.

Turm-Tour – Die schönsten Türme in der Görlitzer Altstadt

Neben dem Hotherturm kannst du auf der Tour den Reichenbacher Turm, den Frauenturm ebenso wie den Nikolaiturm und den Rathausturm besichtigen. Auf unserer Görlitzer Türme-Tour könnt ihr die schönsten Türme und Wehranlagen in Görlitz kennenlernen. Diese Tour ist familienfreundlich und führt Euch durch die Görlitzer Altstadt. → die schönsten Türme in Görlitz

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Blogger und Herausgeber von Ostsachsen.de. In Görlitz aufgewachsen lebt er als Rückkehrer mit seiner Frau und zwei Söhnen in der Region. Hier findet Ihr Wissenswertes und Sehenwertes aus der Region Ostsachsen, der Lausitz und dem Dreiländereck: Deutschland, Polen und Tschechien.
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