Im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, das Heinrich Himmler als „Endstation“ für die Juden in Europa vorsah, starben mehr Menschen als in jedem anderen Todeslager. Doch es ist bei weitem nicht das einzige KZ im polnischen Besatzungsgebiet der Deutschen, in dem zahlreiche jüdische Personen, Sinti und Roma, Zivilisten, Homosexuelle und sowjetische Kriegsgefangene ihr Leben verloren. Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Gedenkstätten in Polen. Diese erinnern an die Gräueltaten der Nazis und an die Opfer des Nationalsozialismus.
Besuch der Gedenkstätten
- Der Eintritt zu den Museen und Gedenkstätten ist kostenfrei. Für die Teilnahme an einer Führung fällt eine kleine Gebühr an.
- Besucher sollten auf angemessene Kleidung Das Tragen von gewaltverherrlichenden, im rechtsradikalen Milieu angesiedelten Kleidungsstücken und Symbolen ist untersagt. Es ist ratsam, während des Aufenthalts auf das Essen, Trinken und Rauchen zu verzichten. Hunde sind auf dem Gelände nicht erlaubt.
- Die Leiter der Gedenkstätten empfehlen, auf einen Besuch mit Kindern unter 14 Jahren zu verzichten.
Gut zu wissen: Die Konzentrationslager in Polen dienten vorwiegend als Zwangs- und Haftarbeitslager. In den KZs wurden ausgewählte Personengruppen ermordet. Vernichtungslager waren dazu bestimmt, die Menschen systematisch umzubringen. In den sogenannten Todeslagern töteten Polizei und SS Juden, Sinti und Roma, Kriegsverbrecher und Homosexuelle durch den Einsatz von Giftgas oder durch Erschießen.
Konzentrations- und Vernichtungslager in Polen
Chełmno
Das erste Tötungszentrum befand sich in KZ Kulmhof am Ner (Chełmno nad Nerem) im Reichsgau Wartheland. Hier tötete ein Sonderkommando zwischen 1941 und 1944 etwa 172.000 Menschen. Die meisten von ihnen waren Juden. Hinzu kamen etwa 4.200 Sinti und Roma sowie eine unbekannte Zahl von Zivilisten und politischen Häftlingen.
Nach dem Verlassen der Züge mussten die Gefangenen ihre Habseligkeiten abstellen und sich ausziehen. Die Wärter trieben die nackten Personen durch den Keller eines Herrenhauses direkt in den Schlund der zu Gaskammern umfunktionierten Lastwagen. Im Anschluss warfen die Hilfskräfte die Leichen im nahen Waldstück in Massengräber. Eine Gedenkstätte und ein Museum erinnern an die Toten und zeigen Relikte, die Archäologen bei Ausgrabungen fanden.
Die Konzentrationslager der „Aktion Reinhard“
Unter dem Decknamen „Aktion Reinhard“ erfolgte im Zweiten Weltkrieg die systematische Ermordung von Juden sowie Sinti und Roma aus den 5 Distrikten des Generalgouvernements (Krakau, Lwiw, Radom, Lublin und Warschau (Warszawa)). Bis Oktober 1943 ermordeten die Nazis etwa 1,3 Millionen Juden in den Vernichtungslagern Bełżec, Sobibór und Treblinka II. Unter ihnen waren auch Juden aus Österreich, Frankreich, Tschechien, der Slowakei und Deutschland sowie sowjetische Kriegsgefangene.
Bełżec nahm im März 1942 seine Arbeit auf. Die ersten Deportationen kamen aus Lemberg und Lublin. Zwei Monate später begannen die Morde im Todeslager Sobibór. Hier fanden vorrangig Juden aus den ländlichen Bereichen Lublins den Tod. Im Juli 1942 begannen die Massendeportationen von Warschau in das Vernichtungslager Treblinka II.
Die meisten Menschen starben in Gaskammern. Teils erschossen die Wachen die Häftlinge. Die Wärter pickten sich aus den Transporten arbeitsfähige Häftlinge heraus, die in den Tötungsstätten mithelfen mussten. Als Sonderkommandos oder „Arbeitsjuden“ bezeichnet, durchsuchten sie die Leichen nach Wertgegenständen, trugen die leblosen Körper aus den Gaskammern, reinigten die Waggons oder begruben die Toten in Massengräbern. Später zwangen die Wärter sie dazu, die Leichen ausgraben und zu verbrennen, um die Spuren der Nazis zu verwischen.
Nach der Schließung vernichtete die SS alle Beweise, ebnete das Gelände ein und pflanzte darauf Blumen. Später entstanden an den Orten, an denen sich einst die Todeslager befanden, Gedenkstätten. Aus den drei KZs entkamen lediglich 300 Menschen. Viele von ihnen flohen bei den Aufständen in Sobibór und Treblinka II.
Auschwitz Birkenau
Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II) war das größte Konzentrations- und Vernichtungslager. Bis zum November 1944 ermordeten die Nazis hier mehr als eine Million Juden sowie zehntausende Sinti und Roma, Polen und sowjetische Kriegsgefangene.
Der KZ-Komplex entstand im Frühjahr 1942. Ursprünglich diente er als Zwangsarbeiterlager für sowjetische Kriegsgefangene und jüdische Häftlinge, die die SS bei ihren Bauvorhaben einsetzen wollte. Doch schon bald entwickelte es sich zu einem Vernichtungslager. Die Wärter suchten nicht arbeitsfähige Juden aus und brachten sie in den Gaskammern um.
Nachdem Heinrich Himmler den Befehl gab, Auschwitz zur Endstation für europäische Juden zu machen, errichteten die SS-Behörden im Lager vier leistungsfähige Gaskammern, in denen die Gefangenen mit Zyklon B vergast wurden. Im Frühjahr 1944 ermordeten die Nazis auf diese Weise bis zu 6.000 Menschen täglich.
Bis zum November 1944 starben etwa 1,3 Millionen Deportierte im KZ Auschwitz, davon circa 900.000 sofort nach der Ankunft im Lager. Unter ihnen waren hauptsächlich Juden, zehntausende Opfer aus den Reihen der Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene und Polen. Nach der Zerstörung der Gaskammern Ende 1944 diente Auschwitz weiterhin als Lager für Zwangsarbeiter.
Als sich die Rote Armee näherte, vernichteten die Nazis alle Beweise, schickten etwa 65.000 arbeitsfähige Juden in die Rüstungsbetriebe im Altreich und 56.000 auf Todesmärsche nach Westen. Am 27. Januar 1945 wurde das KZ befreit.
Seit 1947 befindet sich auf dem Gelände das „Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau“. In den Gebäuden erhalten Besucher einen authentischen Einblick in das Leben im KZ Auschwitz. Eine geführte Tour durch die Gedenkstätte bietet tiefe Einblicke in die Geschichte des KZ und der Opfer.
Majdanek
Das Konzentrationslager in Lublin diente vorrangig als Zwangsarbeiterlager, in dem sowjetische Gefangene und später auch arbeitsfähige Juden in den Werken der SS und auf den Baustellen arbeiten mussten. Ab Herbst 1942 nutzten es die Nazis als Vernichtungslager, in dem circa 60.000 Juden starben. Hinzu kamen etwa 20.000 Sinti und Roma, politische Gefangene, Zivilisten und Homosexuelle.
Waren die Gefangenen nicht mehr arbeitsfähig, kamen sie in die Gaskammern. Lublin war Teil der „Aktion Erntefest“ bei der etwa 17.000 Juden am 3. November 1943 erschossen wurden. Kurz vor dem Eintreffen der Roten Armee schickten die SS-Männer die verbliebenen Häftlinge auf Todesmärsche und beseitigten die Beweise.
Die Gaskammern und Baracken blieben erhalten. Diese sind heute Teil der Museums- und Gedenkstätte Majdanek. Anziehungspunkt der Ausstellung ist ein überdimensionales Mausoleum in Form einer Urne, das die Asche der Opfer enthält. Wir empfehlen eine geführte Tagestour durchs Lager mit Abholung in Warschau.
Quellen und weiterführend:
Bildung, Bundeszentrale Für Politische (2022): Vor 75 Jahren: Befreiung des Konzentrationslagers Majdanek, bpb.de, [online] https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/294022/vor-75-jahren-befreiung-des-konzentrationslagers-majdanek/ [abgerufen am 29.11.2023].
Gedenkstätten – Deutsches Historisches Institut Warschau – DHIW (o. D.): [online] https://www.dhi.waw.pl/fachinformation/historische-forschung-in-polen/historische-museen-und-gedenkstaetten/gedenkstaetten/ [abgerufen am 29.11.2023].
Museum, Stiftung Deutsches Historisches (o. D.): Gerade auf LEMO gesehen: LEMO Kapitel: Zweiter Weltkrieg, [online] https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/voelkermord/aktion-reinhardt.html [abgerufen am 29.11.2023].
Vernichtungslager: ausführliche Informationen (o. D.): [online] https://encyclopedia.ushmm.org/content/de/article/killing-centers-in-depth [abgerufen am 29.11.2023].





















