Wenn Ende November die historischen Gassen von Görlitz im Lichterglanz erstrahlen, beginnt eine besondere Zeit in der östlichsten Stadt Deutschlands: Der Schlesische Christkindelmarkt öffnet seine Pforten – und mit ihm erscheint eine Figur, die wie kaum eine andere für Wärme, Hoffnung und kindliche Magie steht. Das Christkind von Görlitz ist kein anonymes Symbol, sondern ein Mensch aus der Region, der diese Rolle mit Herz, Stimme und spürbarer Hingabe ausfüllt. In diesem Jahr heißt dieses Christkind Claudia – und ihre Geschichte erzählt viel darüber, was diesen Markt, diese Stadt und diesen Advent so einzigartig macht.

Der Weg zum Christkind: Bewerbung, Auswahl und die Entscheidung für eine besondere Rolle
Das Christkind zu werden, ist keine spontane Entscheidung. Claudia hat sich ganz klassisch beworben – mit Anschreiben, Lebenslauf und einem Motivationsschreiben. Die Rolle ist schließlich nicht nur schön, sondern auch eine repräsentative Aufgabe für die Stadt. Der Kulturservice der Europastadt prüft jede Bewerbung genau, denn das Christkind ist ein Aushängeschild für den gesamten Christkindelmarkt und wird täglich vor hunderten Menschen auftreten.
Nach der schriftlichen Bewerbung folgte ein persönliches Gespräch. Hier ging es nicht nur um organisatorische Fragen, sondern vor allem darum, ob die Bewerberin Ausstrahlung, Herzlichkeit und die Fähigkeit besitzt, Menschen wirklich zu erreichen. Denn ein Christkind ist nicht einfach ein festlicher Darsteller – diese Rolle lebt davon, Emotionen zu transportieren.
Claudia überzeugte. Nicht nur, weil sie die Figur versteht und liebt, sondern weil sie diese Aufgabe ernst nimmt. Sie spricht ruhig, klar und mit Freude über den Markt und seine Besucher. Und sie weiß: Wer Christkind wird, trägt Verantwortung – für Atmosphäre, für die Botschaft und für die Begegnungen mit kleinen und großen Menschen.









Aufgaben des Christkind zu Görlitz: Die frohe Botschaft um 16 Uhr
Jeden Tag um 16:00 Uhr betritt das Christkind die Bühne des Schlesischen Christkindelmarkts. Für viele Besucher ist dieser Moment einer der Höhepunkte ihres Marktbesuchs. Die Kulisse aus Fachwerk, warmem Lichterglanz und dem Duft nach Gebäck und Glühwein macht die Szenerie vollkommen. Doch die eigentliche Magie entsteht, als Claudia ihre Botschaft spricht.
Mit ruhiger Stimme liest sie ihre Weihnachtsverkündung, die traditionell, besinnlich und zugleich zeitlos wirkt. Sie richtet sich an Kinder, Erwachsene, an Einheimische und Gäste aus Böhmen, Sachsen und Schlesien. Die Worte erinnern daran, dass Weihnachten mehr ist als Konsum, Trubel und Einkaufsliste – es ist ein Fest der Begegnung, des Miteinanders und des Dankes.
Nach der Rede beginnt der zweite Teil ihrer täglichen Aufgabe: Sie bewegt sich durch den Markt, verteilt kleine Gaben und spricht mit Kindern und Familien. Diese Momente sind für sie oft die emotionalsten.
Begegnungen, die bleiben: Die Kinder machen den Zauber aus
Claudia erzählt von den Momenten, die sie berühren – und meist sind es die Kinder, die sie nicht mehr loslassen. Das Strahlen in ihren Augen. Die Freude, wenn sie das Christkind sehen. Die Umarmungen, die einfach passieren, ohne Erwartung und ohne Hintergedanken.
Eine Szene ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben: Ein kleines Mädchen, kaum vier Jahre alt, läuft auf sie zu, ohne ein Wort zu sagen, umklammert ihre Beine und bleibt einfach kurz stehen. Kein Wunsch, keine Frage, kein Geschenk als Ziel. Nur ein ehrliches Bedürfnis nach Nähe. Für das Christkind, aber auch für dieses Kind, war es ein Augenblick voller Wärme, vielleicht sogar Trost. Solche Begegnungen machen für Claudia den Sinn ihrer Aufgabe aus.
Sie sagt: „Diese Dankbarkeit, die man spürt – das ist das Schönste für mich.“
Und man nimmt ihr jedes Wort ab.
Was das Christkind über den Markt erzählt: Wärme, Vielfalt und Atmosphäre
Neben Claudia kommt im Video auch Gerd Weise aus dem Kulturservice zu Wort. Er beschreibt, warum der Markt so beliebt ist und was ihn besonders macht. Es ist ein Zusammenspiel aus Atmosphäre, Geschichte und echter Herzlichkeit.
Der Markt bietet:
- regionales Handwerk und Manufakturen aus Schlesien, Sachsen und Böhmen
- kulinarische Spezialitäten aus dem Dreiländereck
- eine liebevoll geschmückte Altstadtkulisse
- ein Programm, das bewusst nicht laut, sondern stimmungsvoll ist
- eine persönliche, familiäre Note, die man auf vielen Großmärkten vergeblich sucht
Gerd Weise formuliert es so: „Hier gibt es eine Vielfalt an Kulinarik, Herzlichkeit und vor allem die frohe Botschaft.“
Es ist also weit mehr als ein klassischer Weihnachtsmarkt. Der Schlesische Christkindelmarkt ist ein Ort, an dem Tradition gelebt wird – nicht gespielt.
Warum das Christkind von Görlitz so besonders ist
Was macht Claudia und das Görlitzer Christkind so einmalig? Es ist die Mischung aus Echtheit, Nähe und einem Markt, der nicht künstlich ist. In einer Zeit, in der viele Weihnachtsmärkte austauschbar geworden sind, wirkt der Schlesische Christkindelmarkt wie ein Gegenentwurf: kleiner, herzlicher, regionaler, leiser – und doch voller Tiefe.
Das Christkind verkörpert genau diese Haltung. Es steht nicht im Mittelpunkt wie ein Star auf einer Bühne, sondern geht buchstäblich in die Menge, spricht mit Menschen, nimmt Kinder ernst, hört zu. Es ist ein Bindeglied zwischen der Tradition der Stadt, dem Fest der Hoffnung und den Menschen, die all das erleben wollen.
Claudias Geschichte zeigt:
Das Christkind ist nicht nur ein Kostüm. Es ist eine Aufgabe, ein Gefühl und ein Versprechen.
Das Christkind gehört zu Görlitz – und Görlitz zum Christkind
Wer den Schlesischen Christkindelmarkt besucht, merkt schnell: Ohne das Christkind wäre dieser Markt nicht derselbe. Es bringt die Botschaft, die Atmosphäre und den Zauber, der Weihnachtsmärkte ursprünglich einmal ausgemacht hat.
Das Christkind von Görlitz ist mehr als eine Darstellerin.
Es ist eine Botschafterin der Stadt, der Region und des Weihnachtsgedankens.
Ihre Geschichte zeigt, wie viel Herz in dieser Rolle steckt – und warum sie jedes Jahr aufs Neue Menschen berührt. Genau deshalb lohnt es sich, nach Görlitz zu kommen, sich auf die Atmosphäre einzulassen und vielleicht selbst einmal eine dieser Begegnungen zu erleben, die lange im Gedächtnis bleiben.
Denn auf diesem Markt, in dieser Stadt, spürt man etwas sehr Seltenes:
Weihnachten im ursprünglichen Sinn – warm, menschlich und echt.



















