Rekord-Europamarathon bewegt die Europastadt Görlitz-Zgorzelec
Görlitz / Zgorzelec. Was für ein unvergessliches Sportwochenende in der Oberlausitz! Die 21. Auflage des traditionsreichen Görlitzer Europamarathons hat alle bisherigen Dimensionen gesprengt und sich eindrucksvoll als eines der bedeutendsten Sportereignisse der Region zurückgemeldet. Unter einem strahlenden Himmel, der den Athleten und Zuschauern perfektes Läuferwetter bescherte, verwandelte sich das Herz der Europastadt in eine pulsierende Arena voller Emotionen, sportlicher Höchstleistungen und gelebter Völkerverständigung.

































Schon früh am Morgen war das sprichwörtliche Gewimmel auf dem zentralen Elisabethplatz in Görlitz kaum zu übersehen. Nach einem kurzen, erfrischenden Regenschauer pünktlich zum finalen Aufbau der Strecke klarte der Himmel rasch auf. Kaum Wind, angenehme Temperaturen und viel Sonnenschein boten jene optimalen äußeren Bedingungen, die sich sowohl Freizeitläufer als auch ambitionierte Spitzenathleten für ein solches Großevent wünschen. Am Ende des Tages zog das Organisationsteam ein überwältigendes Fazit: Ein historischer Teilnehmerrekord und sportliche Triumphe der lokalen Laufelite machten diese Veranstaltung zu einem Fest der Superlativen.
Der große Ansturm: Logistische Mammutaufgabe meisterhaft gelöst
Dass die diesjährige Auflage etwas ganz Besonderes werden würde, deutete sich bereits in den Tagen vor dem Startschuss an. Die Meldeportale glühten, und das Organisationsteam stellte sich auf einen enormen Zuspruch ein. Alle Erwartungen wurden übertroffen: Unglaubliche 3.270 Starterinnen und Starter begaben sich in den verschiedenen Disziplinen auf die Strecken durch die deutsche und polnische Zwillingsstadt – so viele wie noch nie in der Geschichte des Laufs.
Ein wesentlicher Baustein dieses Erfolgs war der unermüdliche Einsatz hinter den Kulissen. Wolfgang vom Helferteam der Anmeldung, ein wahres Urgestein des Europamarathons, der beim allerersten Lauf vor über zwei Jahrzehnten noch selbst als aktiver Läufer auf der Strecke stand, berichtete mit leuchtenden Augen vom Vortag: „Gestern war richtig was los, wir hatten über 300 Nachmeldungen! Schon da zeichnete sich ab, dass wir einen großartigen Wettkampftag erleben würden.“ Zusammen mit Hunderten weiteren ehrenamtlichen Helfern, die bereits ab Freitag mit dem Aufbau beschäftigt waren, wurde diese logistische Mammutaufgabe mit Bravour gemeistert. Von der Startnummernausgabe bis hin zur Verpflegung auf der Strecke, bei der unter anderem 10 bis 15 Kisten Bananen sowie rund 6.000 Liter Wasser an die erschöpften Athleten ausgegeben wurden, griff ein Zahnrad perfekt in das andere.














Gänsehaut an der Neiße: Die Altstadtbrücke bebt im Takt der Trommeln
Der Europamarathon trägt seinen Namen zu Recht, denn er verbindet nicht nur Menschen, sondern überwindet spielerisch Ländergrenzen. Der wohl symbolträchtigste und emotionalste Abschnitt der Strecke war auch in diesem Jahr die geschichtsträchtige Altstadtbrücke. Alle Läuferinnen und Läufer, die eine Distanz ab zehn Kilometern absolvierten, überquerten das Bauwerk auf ihrem Weg in die polnische Nachbarstadt Zgorzelec und kehrten später über dieselbe Passage wieder zurück nach Görlitz.
Für Stimmung sorgte Matthias Hahn mit den Trommlern von „Bloco Tucano“. Mit ihren mitreißenden, rhythmischen Trommeln peitschten sie die Athleten regelrecht nach vorne. Wer als Zuschauer auf der Altstadtbrücke stand, konnte ein faszinierendes Phänomen erleben: Das Bauwerk geriet durch die rhythmischen Schritte der vielen Hundert Läufer spürbar ins Schwingen – ein Gänsehautmoment, der die Energie dieses Tages perfekt widerspiegelte. Auch die internationalen Gäste, wie das eigens angereiste Team aus Falkenberg, zeigten sich tief beeindruckt von der Atmosphäre. Sie nutzten den Halbmarathon vor allem, um die architektonische Schönheit der Europastadt laufend zu genießen, abseits von jeglichem Bestzeitendruck.
Görlitzer Laufelite triumphiert: Ein Medaillensatz für die Gastgeber
Sportlich bot der 21. Europamarathon packende Duelle an der Spitze, bei denen die prominentesten Läuferinnen und Läufer der Stadt Görlitz kräftig abräumten und einen kompletten Medaillensatz für die Region sicherten. Besonders im Fokus stand der Görlitzer Patrick König. Eigentlich wollte er den Lauf quer durch die Zwillingsstadt lediglich als entspannte Vorbereitung für den anspruchsvollen Jungfrau-Marathon in der Schweiz nutzen und keineswegs an seine körperliche Belastungsgrenze gehen. Doch die Dynamik des Rennens entwickelte sich anders.
Gemeinsam mit dem späteren Halbmarathonsieger und dem 25-jährigen Äthiopier Habtamu Agumas (SG Motor Gohlis-Nord) bildete König schnell die Führungsgruppe. Nachdem das Tempo angezogen wurde, entwickelte sich ein packendes Duell zwischen König und Agumas. In der dritten Runde nutzte der Görlitzer Lokalmatador auf der Altstadtbrücke noch die Gelegenheit, seine am Rand stehende Familie abzuklatschen, bevor der Äthiopier am Anstieg nahe dem Friedhof entscheidend anzog. Patrick König verzichtete bewusst auf einen riskanten Konter und lief die letzten 50 Meter völlig tiefenentspannt mit seinem größeren Töchterchen auf den Schultern ins Ziel. Nach 2:34:12 Stunden sicherte er sich mit nur 21 Sekunden Rückstand auf den Sieger den hervorragenden zweiten Platz. „Eine Runde mehr hätte ich sicher noch laufen können“, zeigte er sich im Zielbereich überaus zufrieden und blickt nun optimistisch auf die Schweizer Berge.
Einen sensationellen Heimsieg feierte die Görlitzer Dauerläuferin Franziska Kranich. Ihr Erfolg kam umso überraschender, da sie erst am Vortag beim extrem harten Oberlausitztrail in Gaußig über 28 Kilometer und 920 Höhenmeter einen grandiosen zweiten Platz erkämpft hatte. „In meiner Heimatstadt muss ich natürlich trotzdem starten. Ich habe heute Morgen einfach meine Beine gefragt, was sie sich noch zutrauen“, verriet „Franzi“ lachend. Die Antwort der Beine war eindeutig: Zehn Kilometer gehen noch! Mit einer beeindruckenden Energieleistung stürmte sie nach nur 41:27 Minuten mit klarem Vorsprung als erste Frau durch das Ziel, als hätte es die extreme Vorbelastung nie gegeben. Ihr Blick richtet sich nun auf den traditionsreichen Brockenlauf im September. Der Triumph für den gastgebenden Görlitzer Europamarathonverein wurde bei den Männern komplettiert, wo Felix Schäfer über die zehn Kilometer in 38:30 Minuten ebenfalls den Sieg einfuhr.
Das Podium für die Region machte schließlich Richard Adam komplett. Der 29-jährige Triathlet, der mittlerweile in Zittau lebt und arbeitet, hatte sich extrem kurzfristig für den Halbmarathon angemeldet, um die Lücke zwischen zwei Triathlon-Wettkämpfen zu füllen. Mit einer fabelhaften Zeit von 1:19:18 Stunden übertraf er seine eigene Zielstellung und sicherte sich den dritten Platz. Große Feierlichkeiten blieben jedoch aus, da bereits am kommenden Wochenende der Moritzburger Schloss-Triathlon auf ihn wartet. Dennoch stieß er im Ziel glücklich mit einem Glas Wein mit seiner Lebensgefährtin Laura Robel an. Die gebürtige Uhysterin sorgte für ein weiteres sportliches Ausrufezeichen und belegte im Halbmarathon der Frauen nach 1:36:01 Stunden den sensationellen zweiten Platz.
Starke Gemeinschaft: Regionales Engagement von Wirtschaft und Vereinen
Neben den sportlichen Höchstleistungen im Elitebereich lebt der Europamarathon vor allem von seiner integrativen Kraft und dem enormen Gemeinschaftsgefühl. Ein Paradebeispiel hierfür lieferte GENOS – Die Wohnungsbaugenossenschaft. Seit fast einem Jahrzehnt ist das Unternehmen fester Bestandteil des Events. Mit einem generationenübergreifenden Team gingen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowohl beim Walken als auch beim aktiven Lauf über die 5,6-Kilometer- sowie die 10-Kilometer-Distanz an den Start. „Für uns ist das der perfekte Team-Event. Wir trainieren gemeinsam und haben hier jede Menge Spaß. Das stärkt nicht nur uns, sondern die gesamte Region“, hieß es aus dem gut gelaunten GENOS-Team.
Ein ebenso eindrucksvolles Bild gab das Klinikum Görlitz ab, das mit einer sportlichen Delegation von rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines der größten Werksteams des gesamten Wochenendes stellte. Auch hochkarätige Vertreter aus der Medizin und Pflege ließen es sich nicht nehmen, aktiv Flagge zu zeigen. So bewies Herr Dr. med. Matthias Czech, der Vorsitzende des ASB Sachsen, sportlichen Ehrgeiz und absolvierte die 5-Kilometer-Strecke erfolgreich.
Unterstützt wurde das sportliche Großereignis einmal mehr von starken regionalen Partnern, ohne deren verlässliches Engagement eine Veranstaltung dieser Größenordnung undenkbar wäre. Die Volksbank Raiffeisenbank Niederschlesien zeigte sich gewohnt fest an der Seite des Sports und schickte ebenfalls eigene Läufer auf die 5,6-Kilometer-Strecke, um den ausgeprägten Volksfestcharakter zu unterstützen. Ebenso präsent war die AOK Plus Görlitz, die im Rahmen ihrer Gesundheitsinitiative jeden einzelnen Schritt der Teilnehmer als wertvollen Beitrag für mehr gesunde Lebensjahre würdigte. Auch die F.T. Immobilien Hausverwaltungen GmbH unterstrich als Sponsor des Eventfilmes die immense Bedeutung des Marathons für die Identität und das Ansehen der Stadt Görlitz und der gesamten Region.
Internationale Impulse nach Bolesławiec
Der Blick über den Tellerrand und die Vertiefung der europäischen Freundschaft standen in diesem Jahr unter einem ganz besonderen Stern. Der Europamarathon verkündete offiziell eine neue, langfristig angelegte Kooperation mit den Organisatoren des polnischen „Bunzlau-Laufes“ (Bolesławiec). Eine offizielle Delegation aus Bunzlau war als Ehrengast vor Ort und zeigte sich tief beeindruckt von der perfekten Organisation und der euphorischen Stimmung in Görlitz. Diese Partnerschaft soll in den kommenden Jahren intensiviert werden – der Gegenbesuch der Görlitzer Läufer im polnischen Bunzlau ist bereits fest für den 23. Mai des kommenden Jahres eingeplant.
Als am späten Nachmittag die feierlichen Siegerehrungen begannen, blickte man ausnahmslos in erschöpfte, aber überglückliche Gesichter. Unter tosendem Applaus wurden auch die leistungsorientierten Nachwuchsathleten des Vereins auf der Bühne gewürdigt, die nicht nur sportlich glänzten, sondern das Event auch tatkräftig machten. Der 21. Europamarathon hat eindrucksvoll bewiesen: Dieses Event verbindet Generationen, Nationen und die gesamte Region auf eine einzigartige, sportliche Weise.
Veranstalter: Europamarathon Görlitz-Zgorzelec e.V. mit Unterstützung der Stadt Görlitz und Zgorzelec

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