Mutmacher aus der Region

Kennst du schon.. Mike Altmann » Motor Görlitz und das #Unbezahlbarland

Mutmacher aus dem Dreiländereck!

wir zeigen auf unserem Portal in einer Interview-Reihe besondere Personen und Köpfe aus dem Dreiländereck, Unternehmer und Unternehmungen, Leute die als Macher in einzigartiger Weise für unsere Region eintreten.

Heute Mike Altmann, Journalist, Görlitzer, als Multiplikator steht er wie kein anderer an der Spitze einer neuen demokratischen Stadtbewegung und tritt in vielfältiger Weise für die Entwicklung unserer Region ein.

Mike Altmann – von Motor und #Unbezahlbarland

Mike Altmann im Einsatz mit Motor Görlitz bei einer Stadtaktion (Fotocredit: Paul Glaser)

Mike, bitte erzähle uns etwas über dich, wer bist Du, was machst Du?

Ich bin Baujahr 73, habe zwei Töchter im Teenager-Alter und lebe mit einer wunderbaren Frau zusammen, die als Altenpflegerin deutlich mehr für die Gesellschaft leistet als ich. Von Hause aus bin ich Journalist. Schon während der 11. Klasse durfte ich für die Sächsische Zeitung in Görlitz schreiben und somit mein eigenes Geld verdienen. Nach einigen Jahren bei Radio Lausitz und der SPD-Landtagsfraktion in der Pressestelle habe ich dem Journalismus 2002 den Rücken gekehrt. Zunächst war ich Leiter im MultiMediaPark, wo wir Leuten geholfen haben, im Internet nach Arbeit zu suchen, sich zu bewerben und insgesamt mit der damals zunehmenden Computerisierung des Alltags klar zu kommen. Daraus entwickelte sich 2004 der Verein Lausitz Matrix, der so etwas wie mein berufliches Baby ist und dem ich als Geschäftsführer immer noch treu bin. Viele werden Lausitz Matrix durch das Karriereportal jobs-oberlausitz.de kennen, das wir betreiben.

Bei Oma Waltraud flogen die Mensch-ärgere-dich-Figuren durch die ganze Wohnung..

Im Jahr 1995 bin ich erstmals auf Axel Krüger gestoßen. Der trug damals noch knallbunte Krawatten und war Marketingfuzzi in einer Agentur (ich darf das so sagen). Daraus ist eine mittlerweile fast 25jährige Freundschaft geworden. Wir haben seit einigen Jahren eine kleine gemeinsame Firma. Machtwort heißt sie und berät Firmen und Institutionen in Sachen Personal und Kommunikation. Axel war es auch, der mich nach langer Abstinenz wieder zum Schreiben von Kurzgeschichten motivierte. Seit 2011 stehen wir gemeinsam auf der Bühne im Apollo. Unsere Lesebühne heißt „Hospitalstraße“. Das ist ein schöner kreativer Ausgleich. Hin und wieder fahre ich auch noch auf Poetry Slams, weil ich Wettbewerbe schon immer mochte, obwohl ich sehr schlecht verlieren kann. Das habe ich von meiner Oma. Bei Waltraud flogen die Mensch-ärgere-dich-Figuren durch die ganze Wohnung, wenn es schlecht für sie lief. Als ich sah, dass es in Görlitz keinen regelmäßigen Poetry Slam gibt, habe ich zunächst mit dem Studentenklub Maus einen aus der Taufe gehoben. Mittlerweile heißt er „Wordka“ und ist der östlichste Poetry Slam Deutschlands.

Mike du bist fest mit der jungen kreativen Szene in Görlitz verbunden, du bist sozusagen ihre „spitze Zunge“ wie würdest du diese Szene beschreiben, wie ist daraus „Motor Görlitz“ entstanden und was kann diese Bewegung für die Stadt leisten?

Das ist zu viel der Ehre. Zum einen bin ich nicht mehr wirklich jung. Zum anderen ist die „kreative Szene“ so vielschichtig, dass ich mir gar nicht zutraue, eine umfassende Beschreibung dafür zu finden. Seit einigen Jahren erfreue ich mich vielmehr daran, wie mehr und mehr gute Typen nach Görlitz und in unsere Region kommen, weil sie eine Idee haben, die sich hier gut umsetzen lässt. Weil es hier noch Platz und Freiraum gibt. Das ist unsere Stärke. Wenn wir ein bisschen offener und freundlicher gegenüber Neuen und Unbekanntem werden, dann könnte noch viel mehr die Post abgehen. Jeder hier ist Botschafter der Region. Wer nur meckert und mosert, wird bestimmt niemanden anlocken.

Jeder hier ist Botschafter der Region..

Das ist auch ein wichtiger Faktor bei Motor Görlitz. Wir wollen eine gut gelaunte Stadtbewegung sein. Auch sie hat nicht allein etwas mit der „kreativen Szene“ zu tun. Nach der Bundestagswahl 2017 mit einem hohen AfD-Ergebnis von über 30 Prozent in Görlitz trafen sich viele Leute, um miteinander ins Gespräch zu kommen, um zu schauen, wie man sich denn einbringen kann. Denn das hohe AfD-Ergebnis ist ja nicht vom Himmel gefallen. Die CDU hat in Sachsen jahrzehntelang eine Leuchtturmpolitik betrieben und die ländlichen Regionen ausbluten lassen. Mit jeder geschlossenen Schule, jeder stillgelegten Busverbindung, jedem Konsum und jeder Kneipe, die verschwand, wuchs der Unmut.

Der ländliche Raum war dennoch das Kraftzentrum der CDU. Viele Wahlen lang hielten die Bürger in den Dörfern und kleinen Städten den Christdemokraten die Treue. Bis ihnen der Kragen platzte und sie sich einer Bewegung zuwandten, die zwar auch nichts für sie bewirkt, die „denen da oben“ aber Schmerzen bereitet. Nun kann man sich das von Weitem anschauen und schlaue Texte darüber schreiben, Oder versuchen mit anzupacken. Auf kommunaler Ebene, dort wo politische Entscheidungen sofort zu spüren sind. Aus solchen Überlegungen ist dann Motor Görlitz entstanden, als eine Stadtbewegung, als Netzwerk, das Parteigrenzen auf Stadt-Ebene überwinden will. Hier geht es um Lösungen und nicht um ideologische Abgrenzung.

Das ist das Entscheidende, was Motor für Görlitz leisten kann: Eine Kultur des Miteinanders, in der man sich durchaus über Ziele und Wege streiten darf. Und eine neue Ehrlichkeit im Umgang mit den Bürgern. Nehmen wir das Beispiel Stadthalle. Seit der Schließung vor knapp 15 Jahren wird rumgeeiert. Dabei ist es recht simpel: Was kostet der jährliche Betrieb (ich gehe von 1,5 Millionen aus, wenn man die Rücklagen für nötige Instandsetzungen mit einberechnet) und was können wir uns stattdessen nicht mehr leisten? Theater? Straßenbahn? Liebgewonnene Veranstaltungen wie das ViaThea Straßentheater? Die Leute sind nicht so blöd, wie die Politik aus Angst vor weniger Wählerstimmen mitunter glaubt. Auch für diese neue Wahrheit und Klarheit in der Kommunikation mit den Görlitzern wollen wir stehen. Nur so funktioniert auch eine echte Bürgerbeteiligung auf Augenhöhe, die Motor Görlitz fördern möchte.

Mike Altmann (Fotocredit: Paul Glaser)

Görlitz steht oft in Zusammenhang mit dem Begriff „Unbezahlbarland“ – was verbirgt sich dahinter?

Das #Unbezahlbarland ist im Rahmen einer Kampagne für den Landkreis Görlitz entstanden. Axel Krüger und ich durften unseren bescheidenen kreativen Beitrag dazu leisten. Die Idee dahinter: Der Landkreis Görlitz taucht in vielen Rankings am Tabellenende auf. Beim durchschnittlichen Gehalt etwa. Diesem Narrativ von der armen und überalterten Wolfsregion wollten wir etwas entgegensetzen, das authentisch rüberkommt. Was kann man sich denn von den hohen Gehältern in Ingolstadt nicht kaufen? Da gibt es jede Menge: Die Nähe zur Familie.

Kurze Wege zur Arbeit. Die internationale Lage im Dreiländereck. Freiraum, um sich zu verwirklichen. Ein Lebenstempo, bei dem du noch durchatmen darfst. All das und noch vieles mehr ist unbezahlbar. Und das wollen wir auf augenzwinkernde Art nach draußen tragen. Wir wissen, dass es noch jede Menge Baustellen gibt, aber das muss man ja nicht ständig miesepetrig vor sich hertragen. Schaut einfach mal auf www.unbezahlbar.land vorbei. Wer die Kampagne unterstützen möchte, setzt bei seinen schönsten Beiträgen aus der Oberlausitz einfach den #unbezahlbarland.

Mai 2019. Nach der OB Wahl – wie siehst du die Chancen der Stadt Görlitz in den nächsten Jahren..

Grundsätzlich positiv. Es ist ja nicht so, dass Görlitz bislang einen fantastischen OB nach dem nächsten hatte. Trotzdem hat die Stadt sich entwickelt. Ich wünsche mir, dass die Görlitzer den negativen Erwartungen den Mittelfinger zeigen. Es wird doch in vielen Beiträgen bereits herbeigeschrieben, dass es hier den ersten AfD-OB in einer größeren Stadt geben wird. Mir scheint es fast, als sehnten sich einige Journalisten danach, uns eine Woche lang zu belagern. Die deutlich größere Überraschung wäre es also, wenn das Rennen anders ausgeht. Wenn zunächst mal viele Leute zur Wahl gehen und es ein Ergebnis gibt, bei dem die demokratische Mitte und somit der Ausgleich untereinander gewinnt. Etwas schade finde ich, dass die Stadtratswahl viel zu kurz kommt. Alles konzentriert sich auf die OB-Wahl. Diese Position ist am Ende nur eine leitende Verwaltungsstelle. Entscheiden muss der Stadtrat. Der kann wiederum – je nach Zusammensetzung – viel Gutes bewirken, aber auch bremsen oder gar Entwicklungen zurückdrehen. Das würde mir sehr leid tun für meine Heimatstadt.

Welche drei Insider Tipps kannst Du unseren Lesern bei einem Besuch der Stadt Görlitz ans Herz legen?

Ich werde einen Teufel tun und den Millionen Usern von euch die schönen stillen Ecken verraten, die es noch gibt J. Görlitz ist zum einen sehr kompakt, zum anderen sehr vielfältig. Da kann jeder Besucher seine eigenen Lieblingsorte finden. Drei Tipps habe ich trotzdem:

  1. Eine Vorstellung der Tanz-Company im Görlitzer Theater besuchen.
  2. Zur Weihnachtszeit die Görlitzer Bratwurst essen– entweder von der Fleischerei Büchner oder von Gruske (kann man von der Warteschlange abhängig machen).
  3. Im Görlitzer Tierpark eine Auszeit vom Trubel nehmen.

Welches sind Deine ganz besonderen Wünsche oder Ziele für die Stadt Görlitz und die Region und was planst Du persönlich für die Zukunft?

Ich möchte daran mitwirken, dass der Landkreis Görlitz auch weiterhin junge Leute anzieht und somit nicht vergreist. Der sagenumwobene “Strukturwandel” bringt in den nächsten zwanzig Jahren enorme Chancen. Gemeinsam mit den Partnern in der Lausitz können wir eine neue Gründerzeit einläuten. Das wäre prima, wenn das bis zu meinem Renteneintritt gelingt. Dafür brauchen wir frisches Blut in meiner Heimatstadt. Sonst hänge ich später nur mit anderen Alten ab, beklage die Gesamtsituation und bespreche die neuesten Röntgenbilder.

Also: Wer heute Zuzug möchte, braucht eine Stadt, die junge Familien anzieht: Schulen und Kitas in Top-Zustand, mit unterschiedlichen pädagogischen und inhaltlichen Schwerpunkten. Eine Hochschule mit spannenden, international ausgelegten Studiengängen. Sport-, Kultur- und Freizeitangebote für alle Altersgruppen. Ein mit der Region abgestimmter Nahverkehr, der das Auto verzichtbar macht und ein Fernverkehr, der Görlitz mit der Welt verbindet. Dazu gut bezahlte, attraktive Arbeitsplätze. Für gewerbliche Betriebe fehlt es an Flächen. Hier gilt es die Kooperationen mit Nachbargemeinden auszuweiten. Innerstädtisch braucht es Angebote für die wachsende Zahl an intelligenten Dienstleistern und Spezialisten, für Gründer und Freelancer. Was die gute Bezahlung angeht, sollte die Stadt mit bestem Beispiel vorangehen: Ich bin für soziale Kriterien bei Auftragsvergaben. Es darf nicht derjenige gewinnen, der den Mitarbeitern am wenigsten bezahlt. Tarifliche Entlohnung muss für alle öffentlichen Aufträge ein Kriterium sein.

Persönlich wünsche ich mir Gesundheit für mich und alle meine Lieben. Alles andere lässt sich regeln.

Mike, wie und wo kann man dir in den sozialen Netzen folgen:

 

Wenn Du denkst das Du zu den Mutmachern gehörst oder einen kennst schreib uns eine Mail an info @ ostsachsen.de und du kannst dabei sein.

hier schreibt:

Mario Förster, geb. 1971 ist Blogger, Autor und Herausgeber von Ostsachsen.de. In Görlitz aufgewachsen lebt er als Rückkehrer mit seiner Frau und zwei Söhnen in der Region. Auf Ostsachsen.de findet Ihr Themen für Familien und Neugierige rund um Tourismus, Wirtschaft und Kultur aus der Oberlausitz, der Niederlausitz und dem Dreiländereck.
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