Bronzeschatz im Görlitzer Kaisertrutz nur für kurze Zeit zu sehen
Ein Acker am Rand von Klein Neundorf, ein glutheißer Sommertag – und ein Fund, der die Geschichte der Oberlausitz neu beleuchtet. Ab Freitag zeigen die Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur im Kaisertrutz einen der spektakulärsten archäologischen Funde der Region: einen rund 3.000 Jahre alten Bronzeschatz, der mit mehr als 300 Objekten und einem Gesamtgewicht von 16 Kilogramm als der bislang größte Hortfund seiner Art in der Oberlausitz gilt.
Eine gute Nachricht für alle, die den Besuch noch nicht geschafft haben: Die Sonderausstellung „EIN SCHATZ FÜR DIE GÖTTER. Der Bronzefund von Klein Neundorf“ im Kaisertrutz Görlitz bleibt noch etwas länger geöffnet. Statt wie ursprünglich geplant nur bis zum 15. März zu laufen, kann der spektakuläre Fund nun bis zum 24. März 2026 besichtigt werden. Für die Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur ergab sich kurzfristig die Möglichkeit, die Ausstellung um einige Tage zu verlängern.

Ein Fund mit Vorgeschichte – und einem glücklichen Moment
Die Entdeckung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Forschung. Museumsdirektor Jasper von Richthofen hatte 2023 gemeinsam mit dem Sächsisches Landesamt für Archäologie eine systematische Suche initiiert. Anlass war ein historischer Hinweis: Bereits um 1900 waren an exakt derselben Stelle zwei bronzene Dolche und ein Beil gefunden worden. Nach Stunden vergeblicher Suche stand der Abbruch der Grabung kurz bevor. Doch dann schwärmte der ehrenamtliche Helfer Henry Herrmann noch einmal aus – und fand zwei Bronzesicheln.


Ein klassischer archäologischer Moment – Kurz vor Feierabend kommen die großen Funde.
Jasper von Richthofen Direktor der Görlitzer Sammlungen
310 Objekte, ein Schwert und viele Rätsel
Was schließlich geborgen wurde, ist außergewöhnlich: Sicheln, Speerspitzen, Beile, Schmuck und ein Schwert – insgesamt 310 Bronzeobjekte, die über Jahrtausende im Boden überdauert hatten. Der Schatz wurde in situ entdeckt, also in der originalen Anordnung, in der er in der späten Bronzezeit vergraben worden war.
Die große Menge lässt erahnen, welchen Wert diese Objekte vor 3.000 Jahren hatten. Bronze war kein Alltagsmaterial, sondern kostbar – ihr Besitz bedeutete Macht, Status und Zugang zu weitreichenden Netzwerken.

Lausitzer Kultur: Hoch organisiert und erstaunlich modern
Der Bronzeschatz wird der sogenannten Lausitzer Kultur zugeschrieben. Sie war geprägt von dichter Besiedlung, Ackerbau, festen Häusern und großen Friedhöfen. Von Richthofen spricht in diesem Zusammenhang beinahe von einer Hochkultur.
Trotz Grünspan und Korrosion beeindrucken die Objekte durch ihre klare Formensprache. Sie wirken funktional, fast modern. Beim Betrachten wird deutlich, dass hier nicht nur Werkzeuge, sondern auch ästhetische Ansprüche eine Rolle spielten – ein direkter Blick auf die Denk- und Lebenswelt der Menschen jener Zeit.














Ein „Schatz für die Götter“?
Der Bronzeschatz von Görlitz ist eine archäologische Sensation. Warum wurde dieser enorme Wert im Boden deponiert? Die Antwort bleibt offen. Vergleichbare Depot- oder Hortfunde deuten jedoch auf rituelle Hintergründe hin. Auffällig ist der unterschiedliche Zustand der Objekte:
Einige wurden absichtlich zerstört, etwa das Schwert, das vor der Niederlegung in drei Teile zerbrochen wurde – vermutlich, um eine Wiederverwendung auszuschließen. Andere Stücke hingegen sind nahezu neuwertig.
Diese Gegensätze machen den Fund umso geheimnisvoller. Im Kaisertrutz wird er daher bewusst unter dem Titel „Ein Schatz für die Götter“ präsentiert.
Besonders aufschlussreich sind die Erkenntnisse zu den Handelskontakten der damaligen Zeit. Für die Herstellung von Bronze benötigt man Kupfer und Zinn. Zinn wurde nach aktuellen Forschungen bereits in der frühen Bronzezeit im Erzgebirge abgebaut – eine wichtige neue Erkenntnis. Das Kupfer hingegen stammt aus dem ostalpinen Raum, einzelne Stücke könnten sogar Verbindungen bis in den Kaukasus belegen. Der Fund zeigt eindrucksvoll: Die Oberlausitz war vor 3.000 Jahren kein abgeschiedener Randbereich, sondern Teil eines europaweiten Austauschnetzes.
Ausstellungseröffnung im Kaisertrutz
Am Donnerstag, dem 15. Januar 2026, wurde die Ausstellung im Görlitzer Kaisertrutz feierlich eröffnet: Jasper von Richthofen, Direktor der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur, der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu sowie Regina Smolnik, Landesarchäologin des Freistaates Sachsen, gaben gemeinsam den offiziellen Startschuss für die Präsentation des außergewöhnlichen Bronzefundes und würdigten dessen herausragende Bedeutung für die Stadt Görlitz und die Archäologie in Sachsen.




Nur für kurze Zeit zu sehen
Nach der Ausstellung werden die Objekte restauriert und wissenschaftlich untersucht. Wer den Bronzeschatz sehen möchte, sollte die Gelegenheit nutzen – denn diese Präsentation ist zeitlich begrenzt.
Ausstellung auf einen Blick
»EIN SCHATZ FÜR DIE GÖTTER. Der Bronzefund von Klein Neundorf«
Ausstellungsort: Kulturhistorisches Museum der Görlitzer Sammlungen, Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1, 02826 Görlitz
Zeitraum: 16. Januar bis 24. März 2026
Ort: Kaisertrutz Görlitz (Untergeschoss), Straße des 17. Juni 1, 02826 Görlitz
www.goerlitzer-sammlungen.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10–16 Uhr
Montag: geschlossen
Eintritt:
6 Euro, 4 Euro ermäßigt, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenfrei



















