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Den Vogtshof in Görlitz entdecken

Ursprünglich wurde der Vogtshof von Görlitz für die landesherrlichen Beamten der Oberlausitz errichtet. Später wurde er zur Organisationskaserne, zum Zuchthaus und heute wird der Hof als Studentenwohnheim genutzt. Wenn du in den Vogtshof kommst, hast du das Gefühl, eine berauschende Reise durch die Vergangenheit von Görlitz zu erleben. Besonders der Nikolaizwinger unterhalb des Vogtshof lädt zum Entdecken und Staunen ein. Wir schauen uns seine Geschichte einmal genauer an.

Vogtshof Goerlitz
Peterskirche Görlitz mit Vogtshof Foto © Mario Förster

Das kannst Du am Vogtshof entdecken:

Nikolaizwinger Brunnen
Nikolaizwinger Brunnen

Historisches: Wann entstand der Vogtshof?

Wo sich heute der Vogtshof befindet, lag vor der Stadtentstehung von Görlitz der Burgberg. Direkt daneben befand sich der Gutshof. Dort liegt heute das Waidhaus. Es ist das älteste erhaltene Anbau. Die Bezeichnung geht noch auf die Ära zurück, als das Haus als Stapelhaus für die Färberpflanze Waid genutzt wurde.

Im Jahr 1268 teilte der damalige Markgraf Otto IV von Brandenburg die Oberlausitz in die Länder Görlitz und Bautzen. Als die Stadt zum Verwaltungssitz der östlichen Oberlausitz wurde, suchte man ein Haus für die Beamten des Landes und den Landvogt. Vermutlich zu diesem Zweck wurde einst der Vogtshof errichtet. Nach der Vereinigung der Oberlausitz 1329 residierten die Landesbeamten in der Ortenburg, die sich in Bautzen befindet.

Nikolaizwinger mit vogtshof
Nikolaizwinger unterhalb des Vogtshof Foto © Mario Förster

Der Vogtshof war der Sitz des Landvogts und der fiskalischen Beamten sowie das Amthauptmannes. Zudem finden an diesem Ort die Tagungen der Landstädte aus dem Kreis Görlitz statt. Am 30. April 1456 brach in der Nikolaigasse ein Brand aus, der sich schnell auf die gesamte Stadt ausbreitete und zur Zerstörung des Nikolaiturms führte. Nach diesem verheerenden Brand bekamen die Verwaltung und das Gericht von Görlitz nur noch ein paar Zimmer zugewiesen.

Auf mehrmaliges Bitten bekam der Rat der Stadt erst am 20. Oktober 1567 von Kaiser Maximilian II den Vogtshof, der bis dato brachlag. Auf dem Gelände des Hofes errichtete die Stadt ein Schütthaus und ein Getreidehaus. Hier befanden sich auch die Räume für das Hofgericht und für das Landgericht. Das waren die Bedingungen, die Kaiser Maximilian II an die Übereignung des Geländes in den Besitz von Görlitz stellte.

stadtmauer hothertor goerlitz
Stadtmauer von Görlitz mit Hotherturm unterhalb des Vogtshof Foto © Mario Förster

Auf eigene Kosten erneuerte die Stadt 1791 das ständische Verwaltungszimmer und das Archiv auf dem Gelände. Erst 20 Jahre später kaufte der Kreis Görlitz den Vogtshof. Gemeinsam mit dem angeschlossenen Schlösschen und dem Zwinger kostete das Areal 9.900 Taler. Dort errichteten die Görlitzer ein Zucht- und Arbeitshaus. Die damals immer knapper werden Ressourcen in der Zeit des Krieges verhinderten ein schnelles Vorankommen des Baus. Nicht zuletzt durch den Wiener Kongress erfolgte ein Wechsel der östlichen Oberlausitz und Görlitz nach Preußen.

1826 erfolgte der Umbau des Schlösschen zu einem Landhaus. Alle Tagungen fanden bis 1854 in diesem Landhaus statt und wechselten später in das neue Ständerhaus, das sich an der Promenade – der heutigen Dr. Kahlbaum Allee befindet. 1826 ging das gesamte Gelände des Vogtshofes für 25.000 Taler an die Regierung. Erst diese konnte bis 1830 den Bau des Zuchthauses vervollständigen. Zu Anfang nutzte der preußische Staat den Vogtshof und den Bau als Garnisonskaserne.

Heute: Vom Zuchthaus zum Studentenwohnheim

Am 27. und 28. Mai 1848 brannte der nördliche Flügel des Vogtshof. Noch im gleichen Jahr am 7. November fiel der Flügel am Schlösschen einem Brand zum Opfer. Das damalige Zuchthaus wurde aufgegeben und ging 1928 wieder zurück an die Stadt und den damaligen Oberbürgermeister Georg Wiesner. Die Volkssolidarität errichtete eine Küche, Lagerräume und Werkstätten. Ein Jahr später wechselten sie an die Ecke Johannes Wüstenstraße und Joliot Curie Straße.

Seit 1945 stand der Vogtshof zum größten Teil leer. Das sollte sich 1976 ändern, als das Studentenwohnheim und das Ratsarchiv in den Gebäuden errichtet wurde. Der gesamte Gefängniskomplex wurde zum Wohnheim umgestaltet. Ausgehend dafür war das Projekt von Professor Bernhard Klemm.

Er hatte damals schon den Umbau vom Gefängnis Münchner Platz in Dresden zum Hochschulgebäude für die Universität Dresden initiiert und umgesetzt. So wurde aus dem Fuchshof von Görlitz zwischen 1994 und 2000 nach umfangreichen Sanierungsarbeiten das Studentenwohnheim. Heute hat dort das Studentenwerk Dresden seinen Sitz und bietet für den Studenten, die an der Hochschule Zittau Görlitz studieren, 242 Schlafplätze.

Im Nordflügel des Vogtshofes befindet sich der Studenten-Club Maus des Vereins die Türme e.V. Hier finden regelmäßig Veranstaltungen für die Studenten statt. Es gibt wohl nur wenige Gebäude, die eine derartige Wandlung erfahren haben, wie es beim Vogtshof der Fall ist. Oder wo kann man schon einmal sagen, dass Studenten in einem ehemaligen Zuchthaus schlafen?

Wo:
Vogtshof
Gottfried-Kiesow-Platz 2
02826 Görlitz