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Die Dreifaltigkeitskirche Görlitz entdecken – Evangelischer Sakralbau am Obermarkt

Die Dreifaltigkeitskirche in Görlitz besteht als evangelischer Sakralbau aus dem frühen 13. Jahrhundert. Zwischen den Jahren 1234 und 1245 erfolgte ihr Aufbau als Klosterkirche des Franziskanerklosters, das sich am Obermarkt befand. Knapp 300 Jahre später entstand aus dem Kloster ein Gymnasium, sodass die Kirche als Schulkirche diente. Seit dem Jahr 1712 existiert die Dreifaltigkeitskirche in Görlitz als Parochialkirche.

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Dreifaltigkeitskirche Görlitz © Foto: Mario Foerster

Die Geschichte des sakralen Bauwerks

Um das Jahr 1200 legten die Stadtväter den Ort Görlitz an. Vor den Stadtmauern begannen die Franziskanermönche 1234 mit dem Bau ihres Klosters und der Kirche. Am 21. August 1245 kam es zur Weihung der Dreifaltigkeitskirche. Bischof Konrad von Meißen weihte das Bauwerk zu Ehren der Heiligen Jungfrau und Franziskus von Assisi. 1510 befahl Papst Julius II jedem Franziskanerkonvent, sich den Konventualen oder den Observanten anzuschließen. Die Stadträte von Görlitz verhinderten mit der Hilfe des böhmischen Königs den Anschluss der Mönche an die Observanzbewegung.

Daher verließen sie das Kloster bis zum Jahr 1563. Urban von Weißbach, der letzte Franziskaner in Görlitz, übergab das Gebäude der Stadt. Dies geschah unter der Bedingung, dass aus der Abtei eine Schule entsteht. Zwei Jahre nach dem Auszug der Mönche eröffnete das Gymnasium, dessen Schulpfarrer 1568 die erste Lesung hielt. 1712 bekam die Kirche ihre Parochie. Nach einer dreijährigen Renovierung erfolgte ihre erneute Weihung zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit. Seit der Zeit besteht das sakrale Bauwerk als Dreifaltigkeitskirche in Görlitz.

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Dreifaltigkeitskirche Görlitz © Foto: Mario Foerster

Die Baugeschichte der Dreifaltigkeitskirche Görlitz

Bei der ursprünglichen Mönchskirche des Franziskanerklosters handelte es sich um eine Saalkirche, bei der im Innenraum des Gebäudes keine Unterteilung durch freistehende Stützen existiert. Die architektonische Einfachheit entsprach dem Bestreben der Franziskanermönche. Sie symbolisierten auf die Weise ihr Armutsgelübde. Ebenso richtete sich der Bau der Kirche nach den damals herrschenden Ordensregeln.

Demnach betrug die Höhe der Kirche ausschließlich 30 Fuß, die Ausmaße des restlichen Klosters 20 Fuß. Aufgrund der Richtlinien des Franziskanerordens bekam die Kirche vorerst keinen Glockenturm. Auf farbige Buntglasfenster verzichteten die Baumeister gleichfalls, um das Gebäude schlicht zu halten. Zudem achteten sie darauf, für den Bau keine Steine zu verwenden. Erst im 14. Jahrhundert erlaubte der Orden eine repräsentative Bauweise für Kloster und Kirchen. Die neuen Richtlinien wirkten sich auf die Erbauung des Franziskanerklosters in Görlitz deutlich aus.

Zwischen den Jahren 1371 und 1381 erweiterten sie die im spätromanischen Stil erbaute Apsis durch einen gotischen Chor. Zusätzlich entstand der Glockenturm, der die Dreifaltigkeitskirche Görlitz bis heute ausmacht. Das liegt an dem Umstand, dass seine Uhr seit dem Aufbau sieben Minuten vorgeht. Die fehlerhafte Zeitangabe entstammt einem mittelalterlichen Brauch. Dadurch sollte gewährleistet werden, dass die Stadtbüttel ihren Dienst rechtzeitig antraten. Der Chor ist das älteste gotische Bauwerk in der Stadt. Ebenso stammt aus dem Zeitraum der älteste Görlitzer Grabstein. Er befindet sich in der Barbarakapelle.

Sie entstand zwischen den Jahren 1450 und 1470. 1490 kam es zu der Einwölbung des flach gedeckten Kirchenschiffes durch Conrad Pflüger. Der Stadtbaumeister ging, laut alten Aufzeichnungen, einen Vertrag mit dem Stadtrat ein. Im mittelalterlichen Görlitz befand sich das Kloster in der Nähe der Arbeiter- und Handwerkersiedlungen. Der Umstand galt für die Franziskanermönche, die sich speziell an diese Bevölkerungsschicht wandten, als charakteristisch.

Den Innenraum der Dreifaltigkeitskirche in Görlitz schmückte ein barocker Hochaltar. Vor diesem stehen die Sitzbänke, die früher die Klosterbrüder für ihr Gebet nutzten. Während einer Renovierung des Sakralbaus zwischen den Jahren 1712 und 1715 verschwand der Altar. Statt ihm gelangte der spätgotische Marienaltar in das Bauwerk. Das filigran gearbeitete Element veredelt die Barbarakapelle bis heute. Hierbei handelt es sich um einen Flügelaltar, der im geöffneten Zustand die Heilige Jungfrau und mehrere Weihnachtsbilder zeigt. Schließen sich die Türen, erkennen die Besucher einen Passionszyklus.

Die Fertigung des Altars geschah zwischen 1510 und 1520. Im Jahr 1670 erhielt die Dreifaltigkeitskirche eine Kanzel an der Nordwand. Auf dieser zeigen sich Abbildungen der Apostel. Zur Ausstattung der Kirche gehören weiterhin:

  • eine Skulptur „Christus in der Rast“,
  • der barocke Hochaltar von Caspar Gottlob von Rodewitz,
  • die Grablegungsgruppe aus dem Jahr 1493 von Hans Olmützer,
  • der spätgotische Flügelaltar „Goldene Maria“,
  • ein Chorgestühl von 1484 mit einer Inschrift, welche die Geschichte des Franziskanerklosters chronologisiert
  • sowie eine Orgel aus dem Jahr 1873, die der Werkstatt von Ladegast entstammt.

Das Klostergestühl zeigt sich seit dem Jahr 1945 unvollständig, da einige Teile als verschollen galten. Sie tauchten in den 1950er-Jahren im Posener Dom auf. Die Besucher finden sie dort im Presbyterium. Heute gehört die Dreifaltigkeitskirche in Görlitz zur evangelischen Innenstadtgemeinde.

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Dreifaltigkeitskirche Görlitz © Foto: Mario Foerster