Die Muschelminna am Postplatz ist einer der schönsten Brunnen von Görlitz. 1887 erschuf das ehemals als Toberentzbrunnen benannte Werk der Bildhauer Robert Toberentz. Jedoch bürgerte sich mit den Jahren die Bezeichnung Muschelminnabrunnen ein.
Die Muschelminna damals und heute
1855 entstand auf dem Viehmarkt von Görlitz das erste Postamt. Auf der gegenüberliegenden Seite folgte zehn Jahre später der Neubau des Gerichtsgebäudes. Der bepflanzte Platz zwischen den beiden Gebäuden trägt seither den Namen Postplatz. 1877 empfahl der damalige Innenminister Preußens Robert Viktor von Puttkamer den Platz durch einen Kunstbrunnen aufzuwerten. Mithilfe des Oberbürgermeisters Johannes Gobbin bemühte er sich um Spenden und staatliche Mittel zur Finanzierung des Bauvorhabens.
1879 beauftragte die Stadt Görlitz den Bildhauer Robert Toberentz mit dem Bau des Kunstbrunnens. Franz Ochs, ein Berliner Bildhauer, fertigte den Unterbau aus Marmor nach seinen Entwürfen. Im Hüttenwerk Lauchhammer gossen die Mitarbeiter die Bronzefigur, die im Anschluss auf den Sockel montiert wurde. Ursprünglich sollten die Arbeiten an der Muschelminna sechs Jahre dauern. Jedoch wurde der Brunnen erst im November 1887 eingeweiht. Im Volksmund erhielt die Bronzefigur den Namen „Muschelminna“. Um 1900 war „Minna“, die Kurzform von Wilhelmine, ein gebräuchlicher Vorname.
Symbolik und Schönheit der Muschelminna
Der Muschelminnabrunnen besteht aus einem massiven Marmorsockel, der an allen vier Ecken von einer Marmorfigur besetzt ist: der Fischer, der Jäger, die Nymphe und die Nixe. Die Figuren symbolisieren die Kraft, die Romantik, die Nützlichkeit und die Veränderlichkeit.
In der Mitte des Brunnens thront die 3,44 Meter hohe Bronzefigur in Gestalt einer Frau, die über ihrem Kopf eine Muschel trägt, aus der sich das Wasser ergießt. Sie stellt die Naturgöttin Flora dar. Diese verkörpert in der griechischen Mythologie die Natur, derer sich die vier Gestalten zu ihren Füßen bedienen. An den freien Stellen zwischen den Marmorfiguren befinden sich Wasserspeier in Form von Satyrköpfen.
Ein Brunnen und seine bewegte Vergangenheit
Der vom damaligen Bürgermeister Clemens Theodor Reichert als „der schönste Brunnen Schlesiens“ bezeichnete Muschelminnabrunnen war zweifelsohne eine Augenweide, doch viel zu fragil für die unbedachte Nutzung. Daher erhielt er zunächst einen Gitterzaun, um ihn vor Schäden zu schützen. Das Wasser floss nur zu besonderen Gelegenheiten. Dies geschah aus Angst, die edlen Marmorfiguren zu beschädigen.
1889 legten Arbeiter rund um den Brunnen vier sternförmig über den Platz verlaufende Wege an. Im selben Jahr erhielt der Brunnen ein Bassin. Schließlich wichen im Jahr 1937 die Wege zugunsten der neuen Straßenbahn. Fortan umgab ein Oval aus Rosen die Muschelminna. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges demontierten die Nazis die Bronzestatue, um sie für Kriegszwecke einzuschmelzen.
1967 fertigte Werner Hempel, ein Dresdner Bildhauer, eine Marmorschale, um das Postament zu bekrönen. In der DDR schmückte die Dekorationsabteilung der Stadthalle den Sockel der Muschelminna zur Weihnachtszeit als Pyramide. Die Einzelteile gingen jedoch verloren. In der Adventszeit erhält die „Minna“ stattdessen eine festliche Beleuchtung.
1987 erhielt der Bildhauer Friedemann Klos den Auftrag, ein neues Gussmodell für die Bronzefigur nach historischen Vorlagen zu fertigen. 1993 gossen die Mitarbeiter der Kunstgießerei in Lauchhammer die 1,4 Tonnen schwere Statue. Dem folgte am ersten Mai 1994 die feierliche Enthüllung.


Entdecke die Umgebung der Muschelminna
- In der Nähe gibt es viele Möglichkeiten zum Shoppen: zum Beispiel auf der Berliner Straße, im Modehaus am Postplatz oder im CityCenter.
- Das Görlitzer Kaufhaus im beeindruckenden Jugendstil steht jedoch schon seit etwa zehn Jahren leer. Es ist eines der schönsten Kaufhausbauten Deutschlands und Filmfans bekannt aus dem Blockbuster Grand Budapest Hotel. In regelmäßigen Abständen öffnet das Bauwerk an der Frauenkirche 5-7 seine Pforten für Neugierige.
- Bei einer Stadtrundfahrt durch Görlitz kommst du auch am Postplatz mit der Muschelminna vorbei.
So gelangst Du zur Muschelminna im Zentrum von Görlitz
Die Muschelminna befindet sich auf dem Postplatz im Herzen der historischen Altstadt von Görlitz. Von den Bänken der begrünten Anlage aus hast du einen wunderbaren Ausblick auf die Nachbildung der Naturgöttin Flora und die imposanten Gebäude der Umgebung.
- Vom Bahnhof Görlitz aus erreichst du den Muschelminnabrunnen zu Fuß in etwa zehn Minuten. Die Berliner Straße führt dich direkt zum Postplatz.
- Optional nutzt du die Straßenbahn Linie 1 (Richtung „NeißePark“) oder die Tram 2 (Richtung „Am Wiesengrund“) und steigst an der Haltestelle Postplatz aus. Richtung Nordosten verläuft die Route etwa 120 Meter zu Fuß weiter bis zum Brunnen.
- Rund um den Postplatz sind einige wenige Parkplätze verfügbar. Wir raten dazu, das Fahrzeug im Parkhaus CityCenter abzustellen. Alternativ kannst Du die Parkplätze am Obermarkt oder Elisabethplatz.

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