Zu Besuch in der Sonderausstellung „Aus Leder, Samt und Pergament“
Vier Jahrhunderte Buchgeschichte sind seit dem 15. Oktober 2026 in der Schatzkammer des Barockhauses Görlitz zu entdecken. Zur Eröffnung der Sonderausstellung „Aus Leder, Samt und Pergament“ waren wir vor Ort und haben Dr. Steffen Menzel getroffen, den Kurator der Ausstellung und Leiter der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften.
Wer heute ein Buch kauft, achtet meist auf den Titel, den Autor und vielleicht noch auf das Cover. Früher war das anders. Bücher waren kostbare Besitztümer, ihre Einbände wurden teilweise aufwendig von Hand gefertigt. Leder, Samt, Pergament, Metallbeschläge und kunstvolle Verzierungen machten manche Exemplare zu regelrechten Kunstwerken.

Wie viel Geschichte in solchen Bucheinbänden steckt, zeigt die neue Sonderausstellung der Görlitzer Sammlungen. Am Donnerstag, dem 15. Oktober 2026, wurde sie in der Schatzkammer des Barockhauses an der Neißstraße eröffnet.
Wir waren bei der Eröffnung dabei und haben uns mit Dr. Steffen Menzel, dem Kurator der Ausstellung, getroffen. Er leitet die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften (OLB), aus deren historischen Beständen die ausgestellten Stücke stammen.





Von einer Pergamenthandschrift bis zum prächtigen Gesangbuch
Die Ausstellung führt durch mehr als vier Jahrhunderte Buchbinderkunst. Dabei geht es nicht nur darum, wie Bücher früher hergestellt wurden. Auch die Menschen, denen diese Bücher gehörten, ihre gesellschaftliche Stellung und ihr Geschmack spiegeln sich in den Einbänden wider.
Zu den bemerkenswerten Exponaten gehört das älteste Schriftstück der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften. Es handelt sich um das Fragment einer Pergamenthandschrift aus dem 10. Jahrhundert, das später als Bucheinband wiederverwendet wurde.
Das zeigt auch eine heute eher ungewöhnliche Praxis: Wertvolles Schreibmaterial wurde nicht einfach weggeworfen, sondern für neue Zwecke genutzt. So konnten Teile noch älterer Handschriften über Jahrhunderte erhalten bleiben.

Ein weiteres Ausstellungsstück ist ein Gesangbuch aus dem Jahr 1576. Sein Einband besteht aus karminrotem Samt und wurde mit Gold- und Silberprägungen verziert. Schon die äußere Gestaltung macht deutlich, welchen Wert solche Bücher für ihre Besitzer hatten.
Besonders interessant ist außerdem ein Prachteinband des Renaissance-Buchbinders Lukas Weischner, der erst 2026 entdeckt wurde. Auch dieses Stück gehört zu den Besonderheiten der neuen Ausstellung.
Was Bucheinbände über ihre Zeit erzählen
Heute werden Bücher überwiegend industriell hergestellt. Bei historischen Exemplaren lohnt dagegen ein genauer Blick auf die Materialien, die Verarbeitung und die kleinen Details.
Manche Einbände sind schlicht und vor allem auf Haltbarkeit ausgelegt. Andere wurden mit kostbaren Stoffen, aufwendigen Prägungen oder metallenen Beschlägen ausgestattet.
Für die Forschung sind solche Stücke wichtige Zeugnisse der Handwerks- und Kulturgeschichte. An ihnen lässt sich nachvollziehen, wie sich Techniken, Materialien und gestalterische Vorlieben über die Jahrhunderte verändert haben.
Die Ausstellung macht damit einen Teil der Görlitzer Bibliotheksbestände sichtbar, den Besucher sonst kaum zu Gesicht bekommen.

Unser Besuch zur Ausstellungseröffnung
Zur Eröffnung am 15. Oktober haben wir Dr. Steffen Menzel im Barockhaus getroffen. Als Leiter der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften und Kurator kennt er die Hintergründe der historischen Bestände.
Für unsere Videoreportage haben wir ihn vor Ort begleitet. Dabei richten wir den Blick auf die besonderen Bucheinbände und die Geschichten, die sich hinter den alten Büchern verbergen.
Unser Video aus dem Barockhaus Görlitz:
Hier die Videoreportage mit Dr. Steffen Menzel einbinden.
Öffnungszeiten, Eintritt und Anfahrt
Die Sonderausstellung „Aus Leder, Samt und Pergament. Historische Bucheinbände aus Görlitz“ ist bis zum 24. Oktober 2027 in der Schatzkammer des Barockhauses zu sehen.
Adresse: Barockhaus Görlitz, Neißstraße 30, 02826 Görlitz
Öffnungszeiten April bis Oktober:
- Dienstag bis Donnerstag: 10 bis 17 Uhr
- Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Öffnungszeiten November bis März:
- Dienstag bis Sonntag: 10 bis 16 Uhr
Montags ist das Museum regulär geschlossen.
Eintritt:
- Erwachsene: 8 Euro
- Ermäßigt: 6 Euro
- Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: kostenfrei
Der Eintritt zur Sonderausstellung ist bereits im regulären Museumsticket enthalten. Damit können Besucher auch die weiteren Ausstellungsbereiche des Barockhauses besichtigen.
Weitere Informationen gibt es bei den Görlitzer Sammlungen. Den Termin und alle Besuchsinformationen findet ihr auch in unserem Veranstaltungskalender auf Ostsachsen.de.
Unser Fazit
Die Ausstellung ist nicht nur etwas für Menschen, die sich für alte Bücher interessieren. Wer Geschichte, Handwerk und die Görlitzer Sammlungen mag, bekommt hier einen Einblick in einen eher unbekannten Teil der regionalen Kulturgeschichte.
Besonders sehenswert sind die unterschiedlichen Materialien und Verzierungen, aber auch die Geschichte des wiederverwendeten Pergaments aus dem 10. Jahrhundert.
Unser Tipp: Wer das Barockhaus ohnehin besuchen möchte, sollte sich auch die Schatzkammer ansehen. Die Sonderausstellung läuft noch bis Oktober 2027.


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