Die Annenkapelle in Görlitz ist der heiligen Anne geweiht. Erbaut zwischen 1508 und 1511 erinnert sie an Hans Frenzel, einen vermögenden Görlitzer Kaufmann, der zwischen 1463 und 1526 in der Stadt lebte und den Bau mit privaten Mitteln finanzierte.
Die Entstehung der Annenkapelle
1505 ersuchte Hans Frenzel, ein wohlhabender Kaufmann aus Görlitz, den Rat um den Bau einer Kapelle, die ihm zunächst verwehrt blieb. Um sein Vorhaben umzusetzen, soll er sogar Papst Julius II ersucht haben. Zwei Jahre später genehmigte der Rat den Bau einer Kapelle am Topfmarkt, die jedoch zu abgeschieden lag.
Im Jahr 1507 starb Georg Emmerich, ein Kontrahent Frenzels. Ein Glücksfall für den Großkaufmann, denn er bekam ein neues Baugrundstück zugewiesen. Am Frauentor neben dem Frauenturm, wo noch bis 1474 das herzogliche Schloss Karl IV stand, begannen im Sommer 1508 die Arbeiten. Die Leitung des Projektes übernahm Ratsbaumeister Albrecht Stieglitzer. Neben der Fuggerkapelle St. Anna in Augsburg war die Annenkapelle die einzige aus privater Hand finanzierte Kirche zu dieser Zeit.


Die Annenkapelle damals und heute
1511 war der Bau der Kapelle abgeschlossen. Aufgrund seiner Ausmaße entsprach der Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss einer vollwertigen Kirche. An der Außenwand befanden sich sieben Sandsteinfiguren, darunter die Schutzpatronin Frenzels, Josef, Maria mit dem Kind und Johannes der Täufer.
1512 weihte der Bischof von Halberstadt die Kapelle auf St. Anna. Ab März 1513 hielten jeweils zwei Altaristen an den drei Altären fünf Messen pro Woche ab. Für Frenzel und seine Familie gab es private Gottesdienste.
Nach dem Tod des reichen Kaufmanns verlor die Kapelle ihre Funktion. Der Sohn Frenzels trat die Annenkapelle und das Stiftungsvermögen 1531 an den Rat ab. Über die Jahre nagte der Verfall an der Kapelle. Auf Drängen der Nachfahren Frenzels fanden mehrmals Instandsetzungsmaßnahmen statt. 1692 zog das Priesterkollegium ein.
Ab 1730 diente die Annenkapelle als Andachtsraum für das Zucht- und Waisenhaus. Im Zuge des Umbaus zur Mädchenschule erhielt die säkularisierte Kapelle 1863 eine Zwischendecke. Im unteren Teil entstand eine Turnhalle, im oberen eine Aula.
Nach dem Abriss der barocken Schule im Jahr 1900 entstand 1903 ein Schulgebäude im gotischen Stil. 1949 malte der Kunsterzieher Dr. phil. Georg Nawroth in der Aula Wandbilder, die Szenen aus der Geschichte von Görlitz zeigten. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts finden an diesem Ort Kunstausstellungen statt.
Standort, Sehenswertes und Kulinarisches
Die Annenkapelle befindet sich in der Annengasse 4, die den Demianiplatz und die Steinstraße miteinander verbindet. In der Nähe besuchst du das Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau oder das Senckenbergmuseum für Naturkunde Görlitz.
- Die Annenkapelle dient als Turnhalle und Aula des Augustum-Annen-Gymnasiums. Sie ist nicht öffentlich zugänglich.
- In der Annenkapelle finden regelmäßig Kunstausstellungen statt. Am 18. Mai 2024 eröffnet die Ausstellung „Ansichtssache“, in der 5 junge Görlitzer Künstler noch bis zum 23. Juni ihre Arbeiten präsentieren.
- Interessante Sehenswürdigkeiten in der Nähe sind der Engelbrunnen und der Teufelbrunnen in der Steinstraße.
Unser Restauranttipp: Gleich um die Ecke in der Steinstraße 10 probierst du im urigen „Görlitzer Kartoffelhaus“ deftige Kartoffelgerichte. Dazu gibt es ein erfrischendes Bier von der Hausbrauerei Landskron.
Auf dem Weg zum Kartoffelhaus solltest du den Teufelbrunnen nicht verpassen. Ein kleiner Wasserspeier, aus dessen Maul zu beiden Seiten das Wasser spritzt, bewacht der Trinkwasserbrunnen hinter der Annenkapelle. Ein paar Schritte in Richtung Marienplatz befindet sich der Engelbrunnen mit einem großen stilisierten Bronzeengel, aus dessen Hand ein Wasserstrahl in den Granitbrunnen rinnt.
So gelangst du zur Annenkapelle
- Vom Bahnhof Görlitz kommst du in 14 Minuten zu Fuß zur Annenkapelle, dafür folgst du dem Weg über die Berliner Straße, die Theaterpassage und den Demianiplatz. Kurz nach der Straße „Am Museum“ biegst du rechts in die Annengasse ein, in der sich die Annenkapelle befindet.
- Mit der Tram Linie 1 (Richtung „NeißePark“) oder der Tram Linie 2 (Richtung „Am Wiesengrund“) erreichst du dein Ziel in sieben Minuten. Dafür fährst du 3 Haltestellen bis zum Demianiplatz. Von hier aus gehst du weiter Richtung Theaterpassage. An der Weggabelung verläuft die Route rechts über den Demianiplatz Richtung Obermarkt. Danach biegst du in die Annengasse ein.
- Du reist mit dem Auto an? Parkplätze in der Nähe der Annenkapelle gibt es am Elisabethplatz und am Obermarkt.
Copyright: Fotos: M. Förster


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