Hagenwerder ist der südlichste Görlitzer Ortsteil am Berzdorfer See und einer der Orte, an denen sich die Geschichte der Region besonders gut ablesen lässt. Hier treffen Dorf, ehemaliges Energie- und Bergbaurevier, Bahnhof, Schaufelradbagger und die neue Freizeitlandschaft am See unmittelbar aufeinander.

Hagenwerder auf einen Blick
| Fakt | Details |
|---|---|
| Ort | Ortsteil der Stadt Görlitz südlich der Kernstadt |
| Lage | am südöstlichen Rand des Berzdorfer Sees |
| Historischer Name | bis 1936 Nikrisch / Nickrisch |
| Eingemeindung | 1994 zusammen mit Tauchritz nach Görlitz |
| Prägend | Braunkohletagebau Berzdorf und Kraftwerk Hagenwerder |
| Heute wichtig | Bahnhof, Schaufelradbagger 1452, Zugang zum See, Rad- und Wanderwege |
| Für Besucher | gut als Ausgangspunkt für Technikgeschichte und Ausflüge am Südufer |
Vom Energieort zum Zugang zum Berzdorfer See
Hagenwerder war über Jahrzehnte eng mit dem Braunkohleabbau und der Energieerzeugung verbunden. Südlich von Görlitz entstand in den 1950er-Jahren ein großes Energiezentrum. Das Kraftwerk Hagenwerder und der Tagebau Berzdorf prägten nicht nur die Landschaft, sondern auch den Ort, seine Arbeitsplätze und seine Entwicklung. Viele Menschen in der Region verbanden Hagenwerder deshalb lange zuerst mit Kraftwerk, Kohle und industrieller Infrastruktur.
Mit der schrittweisen Stilllegung des Kraftwerks zwischen 1991 und 1996 und dem Ende der Kohleförderung am 28. Dezember 1997 änderte sich die Perspektive grundlegend. Aus dem Tagebau entstand nach der Flutung der Berzdorfer See. Heute liegt Hagenwerder nicht mehr am Rand eines Tagebaus, sondern an einem der größten Freizeit- und Landschaftsräume im Süden von Görlitz.
Der Schaufelradbagger 1452 als stärkster Zeitzeuge
Der auffälligste technische Zeitzeuge bei Hagenwerder ist der Schaufelradbagger 1452. Das Großgerät erinnert daran, welche Dimension der Braunkohleabbau in der Region hatte. Wer den Berzdorfer See nur als Badesee kennt, bekommt hier einen völlig anderen Blick auf die Landschaft.
Gerade mit Kindern oder Jugendlichen kann der Bagger ein guter Gegenpol zum Strandbesuch sein. Er erklärt anschaulich, warum der See heute überhaupt existiert. Statt abstrakter Zahlen steht hier ein riesiges Stück Industriegeschichte direkt vor den Besuchern.
Bahnhof Hagenwerder: praktisch für Ausflüge ohne Auto
Hagenwerder besitzt einen Bahnhof an der Strecke zwischen Görlitz und Zittau. Dadurch ist der Ort für Ausflüge interessant, bei denen das Auto bewusst stehen bleiben soll. Vom Bahnhof aus lassen sich Ziele am südlichen Berzdorfer See mit Fahrrad oder zu Fuß verbinden. Für längere Touren ist vor allem die Kombination aus Bahn und Rad sinnvoll.
Wer den See umrunden möchte, kann Hagenwerder als Ein- oder Ausstiegspunkt nutzen und die Tour mit Tauchritz, Hafen, Blaue Lagune oder den nördlichen Strandbereichen kombinieren. Den aktuellen Fahrplan solltet ihr vor dem Start prüfen.
Was ihr rund um Hagenwerder erleben könnt
Für Technikfans
Schaufelradbagger 1452, Bergbaugeschichte und die Entwicklung vom Tagebau zum See machen Hagenwerder zum stärksten Technikstandort am Berzdorfer See.
Für Radfahrer
Der Ort liegt günstig für den Rundweg um den Berzdorfer See. Mit Bahnanschluss lässt sich eine Tour flexibel planen.
Für einen See-Tag
Von Hagenwerder erreicht ihr die südlichen Bereiche des Sees, Tauchritz, Hafen und weitere Freizeitangebote in kurzer Distanz.
Hagenwerder und Tauchritz gehören zusammen – sind aber nicht dasselbe
Hagenwerder und Tauchritz bilden heute gemeinsam eine Ortschaft innerhalb von Görlitz. Für Besucher lohnt sich trotzdem die Unterscheidung: Hagenwerder steht stärker für Bahnhof, Bergbau- und Energiegeschichte sowie den Schaufelradbagger. Tauchritz ist dagegen durch Wasserschloss, Gut am See, Hafen und unmittelbare Seelage geprägt.
Wer einen halben oder ganzen Tag im Süden des Berzdorfer Sees plant, kann beide Orte problemlos miteinander verbinden. Eine gute Reihenfolge ist beispielsweise: Schaufelradbagger in Hagenwerder, anschließend weiter nach Tauchritz zum Hafen und zum historischen Wasserschloss.
Vom Tagebau zum Freizeitgebiet
Die Entwicklung von Hagenwerder ist eng mit dem Strukturwandel am Berzdorfer See verbunden. Nach dem Ende der Kohleförderung wurde das Restloch ab 2002 geflutet. 2013 war die Flutung im Wesentlichen abgeschlossen. Heute stehen Baden, Segeln, Radfahren, Wandern und Tourismus im Vordergrund. Die alte Bergbaulandschaft ist aber an vielen Stellen weiterhin lesbar.
Genau das macht Hagenwerder als Ziel interessant: Der Ort ist kein klassischer Ferienort mit historischer Altstadt, sondern ein Platz, an dem Industriegeschichte und neue Freizeitnutzung direkt nebeneinanderliegen. Wer verstehen möchte, wie aus dem Tagebau der heutige See wurde, sollte Hagenwerder nicht nur durchfahren.
Praktische Planung
- Mit Bahn: Bahnhof Hagenwerder als guter Startpunkt für Rad- und Wandertouren.
- Mit Auto: Anfahrt über die B99 südlich von Görlitz.
- Mit Fahrrad: Verbindung zum Rundweg und zu Tauchritz.
- Mit Kindern: Schaufelradbagger plus See lässt sich gut als Technik-und-Natur-Tag kombinieren.
- Zeitbedarf: für Hagenwerder allein etwa 1–2 Stunden; mit Tauchritz und See eher ein halber Tag.
Was passt zu wem?
| Besuchstyp | Unsere Empfehlung |
|---|---|
| Technik- und Geschichtsinteressierte | Schaufelradbagger und Bergbaugeschichte einplanen. |
| Familien | Baggerbesuch mit anschließendem See- oder Strandaufenthalt verbinden. |
| Radfahrer | Hagenwerder als Bahn-Startpunkt für eine See-Runde nutzen. |
| Fotografen | Industriekulisse des Baggers und Landschaft am See kombinieren. |
| Reine Badegäste | Direkt einen der ausgewiesenen Strände ansteuern; Hagenwerder eher als Ergänzung sehen. |
Unser Tipp
Hagenwerder funktioniert am besten nicht als einzelner kurzer Fotostopp, sondern als Teil einer kleinen Südsee-Runde. Beginnt beim Schaufelradbagger, fahrt anschließend nach Tauchritz und geht dort zum Hafen oder Wasserschloss. So bekommt ihr in wenigen Stunden drei völlig unterschiedliche Seiten des Berzdorfer Sees zu sehen: Bergbaugeschichte, Dorfgeschichte und heutige Freizeitlandschaft.
Wie sich der Ort selbst verändert hat
Hagenwerder hieß bis 1936 Nikrisch beziehungsweise Nickrisch. Der heutige Ortsteil ist also älter als das Kraftwerk und der Tagebau, wurde aber durch die Energiegeschichte des 20. Jahrhunderts besonders stark geprägt. Mit dem Ausbau von Kraftwerk und Tagebau kamen neue Arbeitsplätze, Wohngebäude und technische Anlagen hinzu. Dadurch veränderte sich nicht nur die Landschaft rund um den Ort, sondern auch sein Charakter.
Für Besucher ist diese Entwicklung heute noch indirekt sichtbar. Einerseits gibt es die dörflichen Teile des Ortsteils, andererseits die Spuren der Industriegeschichte. Hinzu kommt die neue Freizeitlandschaft rund um den Berzdorfer See. Genau diese drei Ebenen machen Hagenwerder ungewöhnlich: Dorf, Industriegeschichte und Tourismus liegen räumlich dicht beieinander.
Eine gute Kombination: Bahn, Rad und See
Wer ohne Auto unterwegs ist, kann Hagenwerder besonders gut als Startpunkt nutzen. Der Bahnhof liegt an der Verbindung Görlitz–Zittau. Mit Fahrrad im Gepäck lässt sich daraus eine flexible Runde bauen: vom Bahnhof zum Schaufelradbagger, weiter nach Tauchritz und anschließend auf den Rundweg. Je nach Zeit könnt ihr danach Richtung Blaue Lagune weiterfahren oder den See in größerem Bogen umrunden.
Diese Kombination ist vor allem dann sinnvoll, wenn ihr nicht wieder zum Ausgangspunkt zurückfahren möchtet. Die reine Seeumrundung ist zwar auch mit Start am Nordstrand oder in Tauchritz möglich, Hagenwerder bietet aber durch den Bahnanschluss einen praktischen Vorteil. Für Tagesgäste aus Görlitz oder Zittau ist das eine der unkompliziertesten Möglichkeiten, Technikgeschichte und Natur miteinander zu verbinden.
Hagenwerder ist kein Strand – und gerade deshalb interessant
Wer nur baden möchte, fährt besser direkt zu einem der ausgewiesenen Strände. Hagenwerder selbst ist als Ziel interessanter, wenn ihr mehr über die Geschichte des Sees verstehen oder eine Tour beginnen wollt. Der Ort ergänzt damit Nordstrand, Nordoststrand und Blaue Lagune, statt mit ihnen zu konkurrieren.
Gerade für die redaktionelle Einordnung des Berzdorfer Sees ist das wichtig: Der See besteht nicht nur aus Badestellen. Hagenwerder erklärt, woher die Landschaft kommt und warum die gesamte Region heute so aussieht. Wer hier startet und später am Wasser sitzt, nimmt den See anders wahr als bei einem reinen Strandbesuch.
Recherche: Stadt Görlitz zur Geschichte des Berzdorfer Sees und zu den Ortsteilen; Planungsverband Berzdorfer See. Stand: Oktober 2026.

Christkindelmarkt 2026 in Görlitz
Deutschlands größte Bogenarena - Bogenschießen & Feiern in Rothenburg