Traumzeit in Görlitz: Wie die Romantik bis heute nachwirkt
Es ist ein stilles Bild: Zwei Kinder schlafen in einer Berglandschaft, bewacht von einem Hund. Keine Spur von Hektik, kein Hinweis auf die Welt im Wandel. Und doch entstand genau dieses Motiv mitten in einer Zeit, in der sich alles veränderte.
Mit der neuen Sonderausstellung „TRAUMZEIT. Zeichenkunst der Romantik“ holen die Görlitzer Sammlungen eine Epoche ins Zentrum, die überraschend nah an unserer Gegenwart liegt. Vom 25. April 2026 bis zum 3. Januar 2027 wird der Kaisertrutz zum Ort einer stillen Auseinandersetzung mit einer Zeit, in der sich die Welt rasant veränderte – und Künstler darauf mit einem bewussten Rückzug reagierten.

Fotos: Pawel Sosnowski









Traumzeit im Kaisertrutz: Eine Ausstellung über Sehnsucht, Rückzug und die Kraft der Bilder
Die Romantik entstand nicht im luftleeren Raum. Industrialisierung, technische Innovationen und neue Mobilität beschleunigten das Leben im 19. Jahrhundert in einem bisher ungekannten Tempo. Während Eisenbahn und Telegraf die Welt enger machten, suchten Künstler nach Gegenbildern: nach Ruhe, Natur und einer idealisierten Vorstellung vom Leben. Diese Spannung ist der Kern der Ausstellung – und zugleich der Grund, warum sie heute so unmittelbar wirkt.
Im Zentrum der Schau steht eine Sammlung, die selbst viele Görlitzer überrascht. Das Graphische Kabinett verfügt über einen außergewöhnlichen Bestand an Zeichnungen der Romantik, dessen Ursprung bis ins Jahr 1886 zurückreicht. Seitdem ist die Sammlung kontinuierlich gewachsen und umfasst heute Werke von über 50 Künstlern. Für die Ausstellung wurden rund 140 Arbeiten ausgewählt – darunter bekannte Namen ebenso wie Positionen, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten sind.

Auffällig ist dabei die bewusste Konzentration auf die Zeichnung. Was lange als vorbereitende Skizze galt, entwickelte sich in der Romantik zu einer eigenständigen Kunstform. Die Werke zeigen nicht nur Motive, sondern auch technische Raffinesse und Detailtiefe. Unterstützt durch Lupen erschließt sich eine Bildwelt, die erst auf den zweiten Blick ihre ganze Qualität entfaltet.
Die Ausstellung ist als thematische Reise angelegt: Landschaften, Märchen, religiöse Motive und die romantische Begeisterung für das Mittelalter greifen ineinander. Dabei wird auch deutlich, wie sehr der Blick zurück die Gegenwart beeinflusste – etwa durch die Entstehung des Denkmalschutzgedankens oder neue Vorstellungen kultureller Identität.
Ein leiser, aber wichtiger Aspekt ist die Frage nach Sichtbarkeit. Unter den zahlreichen Künstlern ist nur eine Frau vertreten – ein Spiegel der damaligen gesellschaftlichen Bedingungen. Auch das wird in der Ausstellung bewusst eingeordnet.
Das Begleitprogramm erweitert die Ausstellung in den Stadtraum: Führungen, Spaziergänge, Lesungen und Zeichenkurse machen die Romantik erlebbar und holen sie aus dem Museum hinaus in den Alltag.
Dann der Moment, in dem sich alles verdichtet – nicht in einem Bild, sondern in einem Satz des Kurators Kai Wenzel:
„Die Kunst der Romantik berührt uns bis heute.“
Dieser Satz ist mehr als eine Einordnung. Er ist der Schlüssel zur Ausstellung. Denn „Traumzeit“ zeigt keine ferne Epoche – sie zeigt ein Gefühl, das geblieben ist.

Ausstellung: „TRAUMZEIT. Zeichenkunst der Romantik“
Eröffnung der Ausstellung: Freitag, 24. April 2026, 18 Uhr
Laufzeit: 25. April 2026 bis 3. Januar 2027
Ort: Kulturhistorisches Museum der Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur, Kaisertrutz, Platz des 17. Juni 1, 02826 Görlitz
Eintrittspreise: 6 €, 4 € ermäßigt, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenfrei
(Preisänderungen über die Laufzeit vorbehalten)
Weitere Informationen zur Sonderausstellung unter:
www.goerlitzer-sammlungen.de/Traumzeit.html

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