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Unternehmen in Ostsachsen

Rainkost Obermühle in Görlitz – Pilotprojekt solidarische Landwirtschaft

Wir waren zu Besuch bei Jörg Daubner, dem Initiator von RainKost Obermühle in Görlitz. Mit dabei war auch Evelyn Rau, Hotelleiterin des Herzlichen Hotel & Restaurant Marschall DuRoc aus Holtendorf bei Görlitz. Gemeinsam haben wir uns angeschaut, wie hier ein außergewöhnliches Landwirtschaftsprojekt umgesetzt wird – eines, das in Deutschland und sogar europaweit einmalig ist.

RainKost Obermühle ist viel mehr als ein landwirtschaftlicher Betrieb. Es ist ein Pionierprojekt zwischen solidarischer Landwirtschaft, regionaler Gastronomie und nachhaltiger Zukunftsgestaltung. Im Zentrum steht die Idee, Restaurants und Hotels nicht einfach mit bestellten Lebensmitteln zu beliefern, sondern sie zu Mitgestaltern einer Landwirtschaft zu machen, die Biodiversität, Bodenqualität und regionale Wertschöpfung in den Vordergrund stellt.

Die Idee hinter RainKost Obermühle

Statt dass Restaurants auf einer Liste Gemüse bestellen, liefert RainKost das, was gerade frisch vom Feld kommt. Das Gemüse wird erntefrisch am selben Tag geerntet und direkt ausgeliefert. Dieses Prinzip verbindet Gastronomie und Landwirtschaft enger miteinander als üblich – und sorgt dafür, dass die Küche genau mit dem arbeitet, was die Natur im Moment hergibt.

  • Solidarische Struktur: Mehrere Restaurants finanzieren gemeinsam das Projekt. Damit tragen sie Verantwortung für den Anbau und sichern gleichzeitig die wirtschaftliche Basis.
  • Biointensiver Anbau: Auf rund einem halben Hektar Fläche wächst eine große Vielfalt an Gemüsesorten, teilweise alte und fast vergessene Sorten.
  • Nachhaltigkeit: Der Boden wird nach permakulturellen Prinzipien bearbeitet, kleine Bodenlebewesen gefördert, Humus aufgebaut.

Das Projekt ist damit nicht nur ein Lieferant, sondern ein Beispiel für eine neue Landwirtschaftskultur, die Kooperation und Verantwortung in den Vordergrund rückt.


Die Menschen hinter dem Projekt

Hinter RainKost Obermühle stehen fünf engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit viel Handarbeit und Fachwissen den biointensiven Anbau betreiben. Gründer Jörg Daubner bringt Marketing-Know-how, soziale Kompetenzen und Landwirtschaftserfahrung zusammen.

Das Team legt großen Wert auf Transparenz und Begegnung. Interessierte können den Garten in der Promenadenstraße 85A in Görlitz besuchen, ins Gespräch kommen oder sich über Beteiligungsmöglichkeiten informieren. RainKost versteht sich nicht als abgeschlossene Produktion, sondern als offenes Projekt, das Austausch und Vernetzung lebt.

Von Görlitz in die Region

Was als Projekt in Görlitz begann, hat sich inzwischen ausgeweitet. Heute werden nicht nur Restaurants in Görlitz beliefert, sondern auch Betriebe in Dresden, Bautzen und weiteren Teilen der Lausitz. Seit 2025 ist geplant, die Lieferungen auf den gesamten Landkreis Görlitz auszudehnen.

Für Gastronomen bedeutet das: Sie können Teil einer wachsenden Bewegung werden und ihren Gästen besondere, saisonale Gemüsevariationen anbieten. Für die Region heißt es: mehr Wertschöpfung vor Ort, weniger Abhängigkeit von anonymen Lieferketten.


Auszeichnungen und Anerkennung

RainKost Obermühle wurde mehrfach ausgezeichnet:

  • Innovationspreis Tourismus im Landkreis Görlitz 2020
  • Teil der Ausstellung „Future Food“ im Hygienemuseum Dresden
  • Anerkennung durch regionale und nationale Nachhaltigkeitsinitiativen

Diese Sichtbarkeit unterstreicht, dass es sich um ein Leuchtturmprojekt handelt, das über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregt.


Bildung und gesellschaftliche Wirkung

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Bildungsarbeit. Seit 2019 kommen regelmäßig Kindergärten und Grundschulen zu Besuch, um den Kindern zu zeigen, wo Gemüse herkommt.

Dabei lernen die Kinder:

  • wie Pflanzen wachsen,
  • warum Bodenlebewesen wichtig sind,
  • warum Vielfalt in der Landwirtschaft so wertvoll ist.

Das Projekt trägt damit zu einer frühen Sensibilisierung für Nachhaltigkeit bei und schafft Bewusstsein für regionale Lebensmittel.


Drei besondere Gemüsesorten von RainKost

  1. Bautzener Kastengurke – eine alte Regionalsorte, die fast verschwunden war und hier wieder kultiviert wird.
  2. Alte Möhrensorten – bunt, vielfältig und reich an Geschmack.
  3. Spezielle Blattsalate – in Mischkultur angebaut, bringen sie Abwechslung und besondere Aromen in die Küche.

Diese Sortenvielfalt zeigt, dass RainKost nicht nur Standardgemüse liefert, sondern gezielt auf Qualität und kulinarische Überraschung setzt.


RainKost beliefert das Herzliche Hotel & Restaurant Marschall DuRoc und viele andere Betrieb der Region

Zu den Partnerbetrieben von RainKost gehört das Herzliche Hotel & Restaurant Marschall DuRoc in Holtendorf bei Görlitz. Hotelleiterin Evelyn Rau setzt in der Küche bewusst auf die frischen Produkte des Projekts. Gäste genießen hier nicht nur klassische Gerichte, sondern erleben, wie saisonales Gemüse direkt vom Feld seinen Weg auf den Teller findet. Durch die enge Zusammenarbeit mit RainKost kann das Hotel seinen Anspruch an Regionalität und Nachhaltigkeit konsequent umsetzen – ein Gewinn sowohl für die Küche als auch für die Gäste.

Doch Marschall DuRoc ist längst nicht der einzige Partner: Auch die Obermühle Görlitz, das Bar & Restaurant Salü, das Restaurant Mediteranos, das Café Herzstück und das Romantik Hotel Tuchmacher setzen auf Gemüse aus solidarischer Landwirtschaft. Hinzu kommen die Hausbrauerei Bierblume, die Sudost Bierkultur, das Restaurant Ölle sowie traditionsreiche Betriebe wie das Erbgericht Tautewalde und das Restaurant Wjelbik.

Darüber hinaus ist RainKost mittlerweile auch in Dresden, Freital und Radebeul präsent. Dort beliefern sie unter anderem Schmidts Restaurant & Gourmetcatering, die Lago Bar & Kitchen, das kreative Konzeptrestaurant Nicht Fisch Nicht Fleisch und das Restaurant Villandry.

Damit zeigt sich, dass RainKost Obermühle nicht nur ein regionales, sondern ein überregionales Netzwerk aus engagierten Gastronomen aufbaut, die bewusst auf Frische, Vielfalt und Nachhaltigkeit setzen.

Was andere von RainKost lernen können

  • Kooperation statt Konkurrenz: Landwirtschaft wird tragfähiger, wenn sich mehrere Partner zusammentun.
  • Bodenaufbau lohnt sich: Permakultur und biointensiver Anbau sind aufwendig, zahlen sich aber langfristig aus.
  • Bildung integriert: Wer junge Menschen einbindet, schafft nachhaltiges Bewusstsein.
  • Öffentlichkeit nutzen: Sichtbarkeit durch Preise, Ausstellungen und Medienberichte stärkt Vertrauen.

Checkliste für Gastronomen und Hoteliers

Wenn Du überlegst, selbst Teil einer solidarischen Landwirtschaft zu werden, helfen Dir diese Schritte:

  1. Kontakt aufnehmen – Suche den Austausch mit Projekten wie RainKost.
  2. Bedarf prüfen – Welche Mengen Gemüse brauchst Du realistisch?
  3. Mitfinanzierung klären – Solidarische Modelle brauchen Planungssicherheit.
  4. Kommunikation in der Küche – Dein Küchenteam muss kreativ mit saisonaler Vielfalt umgehen können.
  5. Nachhaltigkeit nach außen zeigen – Nutze die Chance, Deinen Gästen die Herkunft zu erklären.
  6. Kooperation mit Schulen oder Vereinen – Binde Dein Engagement in die Region ein.
  7. Langfristig denken – Solidarische Landwirtschaft ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine Haltung.

Was wir mitnehmen?

RainKost Obermühle ist ein Beispiel dafür, wie lokale Landwirtschaft neu gedacht werden kann. Das Projekt liefert nicht nur frisches Gemüse, sondern verkörpert ein ganzheitliches Konzept, das ökologisch, ökonomisch und sozial überzeugt. Besonders hervorzuheben ist die Erntefrische der Produkte, die unmittelbar in den Restaurants ankommt, sowie die enge Verbindung zwischen Landwirt und Gastronom. Hier zeigt sich, dass Nachhaltigkeit nur dann funktioniert, wenn Verantwortung geteilt wird. RainKost gilt damit als Vorbildprojekt für Ostsachsen – ein inspirierendes Beispiel dafür, wie Landwirtschaft, Tourismus und Gastronomie gemeinsam eine ganze Region stärken können.

Kontakt:
RainKost Görlitz, Promenadenstraße 85A
www.obermuehle-goerlitz.de/rainkost

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