Das „Muzeum i Miejske Pamięci w Sobiborze“ ist eine Gedenkstätte, die an die düstere Geschichte Deutschlands zurzeit des Zweiten Weltkriegs erinnert. Das ehemalige nazi-deutsche Vernichtungslager in Sobibór entstand 1942 im heutigen Polen. Ein Jahr später schlossen es die Nazis infolge einer Revolte von 300 Inhaftierten, bei der einem Großteil die Flucht gelang.
Von Gestern ins Heute: Gedenkstätte Sobibór
- Das Todeslager Sobibór diente im Zweiten Weltkrieg neben den Konzentrationslagern Bełżec und Treblinka zur systematischen Ermordung von jüdischen Menschen in den besetzten polnischen Gebieten. Zwischen 1942 und 1943 starben in den drei Lagern etwa 1,8 Millionen Juden und circa 50.000 Roma.
- Bei einer Revolte im Oktober 1943 gelang es etwa 200 Personen aus dem Lager Sobibór zu fliehen. Die SS tötete die verbliebenen Gefangenen, ebnete das Lager ein und pflanzte Bäume auf dem ehemaligen Areal. Erst in den 1960er kamen die Gräueltaten ans Licht.
- Heute erinnern ein Mahnmal, eine Gedenkallee und ein Museum an die rund 250.000 Personen, die in dem Lager ihr Leben ließen. Noch heute finden Ausgrabungen auf dem ehemaligen Gelände statt. Die nächste Etappe ist die Freilegung der Gaskammern.
Über das KZ Sobibór
Sobibór liegt im Dreiländereck zwischen Belarus, Polen und der Ukraine. Hier im südöstlichen Polen landeten die Deportierten aus den Zügen direkt in den Gaskammern. Nur wenige blieben verschont, darunter 550 Personen, die Hilfsdienste verrichteten und Häftlinge, die sich in den Reparaturwerkstätten nützlich machten.
Unter der Leitung des Lagerkommandanten Fritz Stangl starben etwa 250.000 Menschen. Genaue Zahlen gibt es nicht, da die Unterlagen von den Nazis vor der Einebnung des KZs vernichtet wurden.
Stangls Stellvertreter, der SS-Oberscharführer Gustav Wagner, ging als „Bestie von Sobibór“ in die Geschichte ein. Damals führte die Bahnlinie Chełm-Włodawa auf direktem Weg ins Lager. Wagner war es, der entschied, wer leben durfte und wer sterben musste. Überlebende schilderten das ganze Ausmaß seiner Gräueltaten. Der Aufseher suchte sich unter den Häftlingen wahllos Opfer aus, die er demütigte und ermordete. Vor den Augen einer Mutter tötete er ihr Baby.
Die ersten Transporte ins Vernichtungslager treffen Anfang Mai 1942 ein, darunter Juden aus Polen, Österreich und dem tschechischen Getto Lublin. An der Rampe stellten die Menschen ihr Gepäck ab und begaben sich auf dem direkten Weg in die Entkleidungsbaracke. Danach brachten die Aufseher die Häftlinge in die Gaskammern und leiteten Abgase von Dieselmotoren hinein.
Leon Feldhendler und Alexander Petscherski, zwei jüdische Insassen, zettelten am 14. Oktober 1943 einen Aufstand an. Etwa 300 Personen töteten dabei zwölf SS-Männer. Nach ihrem Ausbruch flüchten sie in die nahen Wälder. Viele von ihnen ließen ihr Leben im Minenfeld vor den Toren des Lagers oder starben im Kugelhagel. Etwa 200 Widerständler schafften es lebend heraus. 60 davon überlebten das Ende des 2. Weltkrieges.
Nach dem Aufstand töteten die Aufseher die im Lager verbliebenen Gefangenen, ebneten das Todeslager ein und vernichteten jegliche Beweise. Zum Schluss pflanzten die SS-Männer Bäume, um die Erinnerung an das Vernichtungslager und den Schauplatz der düsteren Massenmorde auszulöschen.
Erst Mitte der 1960er erfährt die Welt von den Gräueltaten in Sobibór. Die Überlebenden des KZs kamen zurück nach Deutschland, um in einem Prozess gegen Stangl auszusagen. 1970 wird dieser für den Mord an mehr als 400.000 Menschen zu lebenslanger Haft verurteilt.
Ebenso spektakulär war einer der letzten Prozesse gegen NS-Kriegsverbrecher. 2011 wird John Demjanjuk, ein ehemaliger Helfershelfer in Sobibór, wegen Beihilfe am Mord von 28.000 Menschen zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt.
Was aus der „Bestie von Sobibór“ wurde? In der Nacht der Revolte gelang auch Stanisław Szmajzner die Flucht. Er setzte sich nach Brasilien ab und traf 35 Jahre nach den Ereignissen im Todeslager erneut auf Gustav Wagner, den er 1978 in einer Polizeistation in São Paulo identifizierte. Dieser starb zwei Jahre später im Jahr 1980 unter ungeklärten Umständen in seinem Badezimmer. Szmajzner geriet unter Mordverdacht. Ob er etwas mit dem Tod Wagners zu tun hatte oder ob es Selbstmord war? Es gibt keine eindeutigen Beweise.
Aktuelles zur Gedenkstätte Sobibór
Zum Gedenken an die Oper des Vernichtungslagers Sobibór errichtete der polnische Staat 1961 auf dem Aschefeld ein Mahnmal. 1993, zum 50. Jahrestag des Ausbruchs in Sobibór, folgte ein kleines Museum, das an das ehemalige Vernichtungslager erinnerte. Eine neue Gedenktafel gedenkt der Ermordung von 250.000 Juden.
2003 pflanzte die Stadt eine Gedenkallee, die den Weg nachzeichnet, der einst von der Eisbahnrampe in die Gaskammern führte. Die daneben aufgestellten Erinnerungssteine tragen die Namen von Menschen und bestimmten Opfergruppen, die im Lager ihr Leben verloren.
2017 begannen die Bauarbeiten für ein neues, modernes Museum. Zum 77. Jahrestag des Aufstands von Sobibór im Jahr 2020 eröffnet die Dauerausstellung „SS-Sonderkommando Sobibór. Deutsches Vernichtungslager 1942 -1943.“ Im Museum informieren sich Besucher über die:
- Geschichte des Vernichtungslagers
- Schicksale einzelner Opfer
- Vernichtung der Juden in Polen und ganz Europa
Imposant ist die 20 Meter lange Vitrine, die 700 Objekte zeigt, die bei den archäologischen Grabungen ab dem Jahr 2000 gefunden wurden, darunter persönliche Gegenstände wie Brillen oder Schmuck.
Adresse des Museums Gedenkstätte Sobibór
Muzeum i Miejske Pamięci w Sobiborze
Gedenkstätte Vernichtungslager Sobibór
Żłobek 101
22-200 Włodawa
Das Museum des ehemaligen Vernichtungslagers Sobibór befindet sich direkt neben dem Bahnhof Sobibór, circa 18 km von Włodawa entfernt. Die nächstgrößere Stadt ist Lublin.
Öffnungszeiten, Führungen und Tickets
Der Eintritt ins Museum ist kostenlos. Für Bildungskurse, die Nutzung des Parkplatzes und Führungen fallen zusätzliche Gebühren an.
Das Museum bietet Führungen auf Englisch und Polnisch für Gruppen mit bis zu 20 Personen an. Reservierungen richten Interessierte an: centrum@sobibor-memorial.eu.
Öffnungszeiten:
- April bis Oktober: 9:00 bis 17:00 Uhr
- November bis März: 9:00 bis 16:00 Uhr
Die Dauerausstellung öffnet von Dienstag bis Sonntag, ausgenommen sind bestimmte religiöse oder nationale Feiertage. Hier empfiehlt sich ein Blick auf die Website.
Quellen und weiterführend:
Muzeum i Miejske Pamięci w Sobiborze: Museum History, [online ]https://www.sobibor-memorial.eu/en/mission [abgerufen am 20.11.2023].
Ndr (2023): Sobibór – Aufstand im Todeslager der Nazis, [online] https://www.ndr.de/geschichte/schauplaetze/Sobibor-Aufstand-im-Vernichtungslager-der-Nazis-,sobibor110.html [abgerufen am 20.11.2023].
Wikipedia-Autoren (2005): Vernichtungslager Sobibor, [online] https://de.wikipedia.org/wiki/Vernichtungslager_Sobibor [abgerufen am 20.11.2023].

Christkindelmarkt 2026 in Görlitz
Deutschlands größte Bogenarena - Bogenschießen & Feiern in Rothenburg