Etwa 70 Kilometer von Łódź entfernt, befand sich im Dorf Chełmno nad Nerem (Kulmhof an der Nehr) das erste Todeslager der Nazis. In diesem ermordeten die Nationalsozialisten systematisch Juden sowie Sinti und Roma. Heute erinnern ein Museum und die Gedenkstätte „Waldlager“ an die dunkle Geschichte Deutschlands.
Chełmno nad Nerem steht als Symbol für eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Das Museum und die Gedenkstätte bieten uns die Möglichkeit, zu gedenken, zu lernen und sicherzustellen, dass solche Ereignisse sich niemals wiederholen. Es ist unsere Pflicht, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und zu verhindern, dass solch eine Geschichte je wieder geschrieben wird.

Das Wichtigste zum Lager Chełmno – Kulmhof
- Chełmno (Kulmhof) war die erste Mordfabrik der Nazis im besetzten Polen, nach deren Vorbild größere Anlagen in Treblinka, Sobibór und Bełżec entstanden.
- Zwischen 1941 und 1945 töteten die Nazis in Kulmhof circa 000 Juden sowie 4.500 österreichische Sinti und Roma. Verschiedene Quellen berichten von etwa 350.000 Opfern. Genaue Zahlen liegen nicht vor.
- Die meisten Opfer waren Deportierte aus dem Getto Litzmannstadt, darunter jüdische Bürger aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, Polen und Tschechien.
- Kurz vor Kriegsende vernichteten die Nazis nahezu alle Spuren des Todeslagers. Heute erinnert ein Museum in Kulmhof an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges.
Museum Chełmno
„Führungen im ersten Nazi Vernichtungslager Chełmno dt. Kulmhof „
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Besucherinformationen zum Museum Chełmno (Kulmhof)
- Adresse: Chełmno 59 A, 62-600 Dąbie, Polen
- Telefon: +48 63 271 94 47; +48 695 003 137
- Website: chelmno-muzeum.eu
- E-Mail: muzeum@chelmno-muzeum.eu
- Öffnungszeiten: Bitte vor der Anreise auf der offiziellen Museumsseite prüfen.
Tickets und Führungen: Bedingungen, Sprachen und Kosten können sich ändern. Verbindliche Angaben veröffentlicht das Museum Kulmhof.
Video: Kulmhof – das unbekannte erste Vernichtungslager
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Heute steht in Chełmno ein Museum, das als Mahnung und Erinnerung an diese grauenvollen Taten dient. Dieses Museum, zusammen mit der Gedenkstätte „Waldlager“, bildet einen wichtigen Teil der Erinnerungskultur, die notwendig ist, um die Geschichte nicht zu vergessen und aus ihr zu lernen.
Das erste Todeslager
Das Lager in Chełmno war das erste seiner Art und damit ein Vorbote der entsetzlichen Vernichtungslager, die später errichtet wurden. Die Taten, die hier begangen wurden, sind schwer zu begreifen, aber es ist von größter Wichtigkeit, dass sie Teil unserer kollektiven Erinnerung bleiben.
Die Bedeutung des Erinnerns

Foto: Vernichtungslager Kulmhof – Denkmal – in Chełmno nad Nerem in der Woiwodschaft. Großpolen
Orte wie Chełmno sind essentiell, um die Erinnerung an die Gräueltaten der Nazis lebendig zu halten. Sie erinnern uns daran, wachsam zu sein und uns aktiv gegen Hass und Intoleranz einzusetzen. Der Besuch solcher Orte kann eine emotional herausfordernde Erfahrung sein, aber sie ist wichtig für unser Verständnis der Geschichte und für die Aufrechterhaltung der Menschlichkeit in unserer heutigen Gesellschaft.
Zur Geschichte des Vernichtungslagers Chełmno (Kulmhof)
Das Todeslager Kulmhof bestand aus einem „Schloss“ mit Nebengebäuden und einem großen Wald. Bretterzäune schirmten das Gelände vor den Augen der wenigen Anwohner des Dorfes ab. Das Vernichtungslager diente vorrangig dazu, nicht arbeitsfähige Juden, darunter Alte, Kranke, Kinder und Frauen aus dem Getto Litzmannstadt zu töten, um dieses als Arbeitslager aufrechtzuerhalten.
Die systematische Ermordung der Juden begann am 8. Dezember 1941. Die ersten Opfer waren 800 Juden aus dem nahe gelegenen Ort Koło. Es folgten 4.500 ursprünglich aus Österreich stammende Sinti und Roma, welche die Nazis zuvor in das Getto Litzmannstadt verschleppten.
Die Nazis transportierten die Todeskandidaten mit der Bahn nach Koło, wo sie in eine Kleinbahn nach Kulmhof umstiegen. Lastwagen brachten sie zum „Schloss“. Dort entkleideten sich die Gefangenen unter Zwang und legten ihre Wertsachen ab. Danach trieben die Aufseher die Häftlinge mit Peitschenhieben durch den Keller in einen zum Zweck der Euthanasie umgebauten Lkw. War dieser voll, schlossen die Nazis die Türen und leiteten Lkw-Abgase ins Innere. Die darin eingeschlossenen Personen verloren zunächst das Bewusstsein und starben innerhalb von zehn Minuten. Die Nationalsozialisten fuhren den Lkw nach einer Viertelstunde zu einem etwa vier Kilometer entfernten Waldstück in Rzuchów (Schönburg), um dort die Leichen in einem Massengrab zu entsorgen.
Im Sommer 1942 endeten die Transporte. Aufgrund der verwesenden Leichen in den Massengräbern drohte eine Seuchengefahr. Die Nazis ließen die Massengräber öffnen und die sterblichen Überreste in Feldkrematorien verbrennen. Im März 1943 beschlossen die Nationalsozialisten, das Vernichtungslager zu schließen und sprengten alle Gebäude bis auf den Getreidespeicher. Bis April 1943 fanden 150.000 Juden aus den Provinzgettos Reichsgau Wartheland und Litzmannstadt sowie 80 Kinder aus tschechischen Orten in mobilen Gaskammern ihren Tod.
Im Frühling und Sommer des Jahres 1944 nahm das Vernichtungslager seinen Betrieb erneut auf, um die Bewohner des Gettos Łódź zu töten. Dafür bauten die Nazis Hütten im Wald von Rzuchów auf. Etwa 7.196 Menschen starben. Einen Monat später beschlossen die Nazis, das Todeslager endgültig zu schließen, da es vermutlich nicht effizient genug war. Etwa 47 jüdische Häftlinge und ein Teil des Sonderkommandos blieben zurück.
Um ihre Gräueltaten zu vertuschen, ließen die Nazis das Lager und die Begräbnisstätte im Sommer 1944 von ein paar jüdischen Häftlingen beseitigen. Mitte Januar 1945 näherte sich die Rote Armee. In der Nacht vom 17. Januar töteten die SS-Männer die Häftlinge durch Kopfschüsse. Danach zündeten sie den Getreidespeicher an, der als Gefängnis der jüdischen Arbeiter diente.
Die Gedenkstätten in Chełmno (Kulmhof)
Das Museum des ehemaligen Vernichtungslagers Kulmhof erinnert an das erste Massenmordlager der Nazis im Warthegau und leistet Aufklärung über die systematische Vernichtung der Juden sowie der Sinti und Roma im Zweiten Weltkrieg. Es eröffnete im Juni 1990 als Zweigstelle des Bezirksmuseums Konin, um die Geschichte des Lagers und die Reliquien zu bewahren.
Das Museum bietet den Besuchern eine umfassende und tiefgreifende Darstellung der Ereignisse in Chełmno. Dokumente, Fotografien und persönliche Berichte der Opfer geben einen Einblick in das Ausmaß der Tragödie. Die Gedenkstätte im „Waldlager“, wo viele der Morde stattfanden, steht als stilles Mahnmal der Opfer.
Teil der Ausstellung sind Fundstücke aus den archäologischen Ausgrabungen im Dorf Chełmno und dem Rzuchów-Wald aus den 1980ern bis 2004. Zu sehen sind persönliche Dinge wie Schmuck, Kultgegenstände, Zähne, Schuhe und Kleidung der Deportierten.
Bei den Ausgrabungen legten die Archäologen die Grundmauern des „Schlosses“ frei. In der Mitte des Gebäudes verläuft gut sichtbar der „Flur des Todes“.
Anfahrt:
Chełmno liegt zwischen Łódź, Posen und Bydgoszcz. Bequem erreichen Reisende das Ziel per Auto über die A2 mit Abzweig DK 473. Die Fahrt dauert etwa 75 Minuten. Es fahren Busse von Koło und Łódź.
Die Gedenkstätte „Waldlager“
In 5 Kilometer Entfernung gibt es eine weitere Gedenkstätte, an der die Nationalsozialisten einst die Toten vergruben und später verbrannten. Kaum übersehbar ist das Monument für die Opfer des Faschismus, auf dem in großen Lettern das Wort „PAMIETAMT“ prangt („Wir erinnern“). Ein Weg führt zu einer Fläche, deren Umrisse den Ort der Massengräber zeigt. Mehrere Gedenksteine erinnern an die ausgelöschten jüdischen Gemeinden und die Bewohner des Gettos Litzmannstadt.
Die Gedenkstätte ist frei zugänglich. Besucher erreichen diese vom Museum Kulmhof aus in 4,7 Kilometern über die Straße Nr. 473 in Richtung Koło.
Tipp: Besucher von Warschau haben die Möglichkeit, im Rahmen einer Tagestour das ehemalige Getto von Łódź zu besuchen.
Besucherinformationen zum Museum Chełmno (Kulmhof)
Standort und Kontakt:
- Adresse: Chełmno 59 A, 62-600 Dąbie, Polen
- Telefon: +48 63 271 94 47; +48 695 003 137; (Rzuchowski Wald: +48 695 003 167)
- Website: chelmno-muzeum.eu
- E-Mail: muzeum@chelmno-muzeum.eu
Öffnungszeiten:
- April bis September: Dienstag bis Sonntag, 09:00 – 17:00 Uhr
- Oktober bis März: Dienstag bis Sonntag, 09:00 – 15:00 Uhr
Führungen und Kosten:
- Polnische Sprache:
- Einzelführungen (bis zu 5 Personen): 5 PLN pro Person
- Organisierte Gruppen (bis zu 10 Personen): 50 PLN
- Organisierte Gruppen (mehr als 10 Personen): 75 PLN
- Englische Sprache:
- Einzelführungen (bis zu 5 Personen): 10 PLN pro Person
- Organisierte Gruppen (bis zu 10 Personen): 100 PLN
- Organisierte Gruppen (mehr als 10 Personen): 150 PLN
Über das Museum: Das Museum Chełmno (Kulmhof) befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers und ist eine Abteilung des Bezirksmuseums in Konin.
Anfahrt:
- Mit dem Linienbus von Koło oder Łódź
- Über die Autobahn A2, Abfahrt Dąbie
- Über die Fernstraße 92, Abfahrt Koło, dann in Richtung Dąbie / Uniejów
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Quellen und links:
Niemiecki Obóz Zagłady Kulmhof w Chełmnie nad Nerem – Muzeum byłego niemieckiego obozu Zagłady Kulmhof w Chełmnie nad Nerem (o. D.): [online] https://chelmno-Muzeum.eu/ [abgerufen am 23.11.2023].
Kulmhof (Chełmno nad Nerem) (o. D.): [online] https://www.gedenkorte-europa.eu/de_de/kulmhof-chelmo-nad-nerem.html [abgerufen am 23.11.2023].

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