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Naturkost-Arche Görlitzer Bio-Laden mit frischen Ideen

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Matthias & Sophie Gerdewischke Foto: Mario Förster

Naturkost-Arche in Görlitz stärkt Mitgliedermodell, Regionalität und Gemeinschaft

Görlitz. Wer die Naturkost-Arche auf dem Gelände der alten Hefefabrik betritt, merkt schnell: Hier geht es nicht um das schnelle Durchlaufen zwischen Regal und Kasse. Zwischen Obstkisten, Gewürzgläsern und frisch gebackenem Brot setzen Sophie und Matthias Gerdewischke bewusst auf Ruhe, Beratung und Begegnung. Nun gehen die beiden Inhaber den nächsten Schritt – mit einem neuen Mitgliedermodell, das den Bio-Laden langfristig absichern soll.

„Wir wollten eine Lösung finden, die wirtschaftlich tragfähig ist und trotzdem unseren Gedanken von Gemeinschaft stärkt“, sagt Matthias Gerdewischke. Jeder könne weiterhin ohne Einschränkung einkaufen. Neu sei jedoch die Möglichkeit, Mitglied zu werden: Gegen einen monatlichen Beitrag erhalten Kundinnen und Kunden gestaffelte Rabatte. Das Modell ist die Weiterentwicklung einer ursprünglich angedachten genossenschaftlichen Idee, die in dieser Form rechtlich nicht umsetzbar war. Stattdessen setzen Sophie und Matthias nun auf ein freiwilliges Beteiligungsprinzip – als Antwort auf steigende Kosten und den Wunsch nach Stabilität.

Fotos: Mario Förster, foerster.digital

Vollsortiment mit regionalem Schwerpunkt

Am Sortiment selbst hat sich nichts geändert – im Gegenteil: Die Naturkost-Arche versteht sich weiterhin als Bio-Vollsortimenter. Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch, Wurst, Eier, Gewürze, glutenfreie Produkte und ein breites Trockensortiment – nach Einschätzung von Matthias lassen sich „gut 99 Prozent eines bewussten Wocheneinkaufs“ hier erledigen. Die Backwaren kommen von einer Bio-Bäckerei und werden im Laden frisch angeboten.

99 Prozent eines Wocheneinkaufs einer Familie, können wir bei uns abdecken.

Matthias Gerdewischke

Regionale Zulieferer und Partner sind unter anderem der Görlitzer Altstadtbäcker, die Brotschmiede, das Görlitzer Stadtgut, Lichtewurzel, der Enderhof, Gut Krauscha, Naturkost Erfurt und die Rolle Mühle. Damit setzen Sophie und Matthias bewusst auf kurze Wege und Transparenz. Gleichzeitig sind sie ständig auf der Suche nach weiteren regionalen Erzeugern, auch um die Region zu stärken und enger zu vernetzen. „Uns ist wichtig, dass wir hier vor Ort Strukturen aufbauen und nicht nur Ware durchreichen“, sagt Sophie.

Natürlich stoßen auch regionale Konzepte an Grenzen. Südfrüchte etwa werden über den Bio-Großhandel bezogen. „Papaya wächst hier nun einmal nicht“, sagt Matthias mit einem Lächeln. Entscheidend bleibe jedoch die konsequente Bio-Qualität.

Vollsortiment im Laden, vom Lebensmittel bis zu Haushaltswaren

Wasser als Besonderheit im Stadtteil

Ein besonderes Merkmal der Naturkost-Arche ist die eigene Wasserstation. Mithilfe einer Umkehrosmose-Anlage wird Leitungswasser zunächst vollständig gefiltert – Rückstände, Schwebstoffe und andere Belastungen werden entfernt – und anschließend wieder mineralisiert. Viele Kunden kommen regelmäßig, um größere Mengen abzufüllen. Manche holen wöchentlich mehrere Kanister.

Der Preis liegt bei 50 Cent pro Liter. Das Wasser werde für Kaffee, Tee oder zum Kochen genutzt. Ergänzend gibt es Informationsabende rund um das Thema Wasser und Ernährung. Damit verbindet der Laden Warenangebot und Wissensvermittlung.

Umkehrosmose-Anlage liefert gesundes sauberes Trinkwasser

„Es ist völlig anders als bei Lidl, ein ganz entspanntes und gesundes Einkaufen.“

Sophie Gerdewischke.

Ort der Begegnung und „Bewusstes, ruhiges Einkaufen“ statt Discountertempo

Neben Sortiment und Qualität spielt die Atmosphäre eine zentrale Rolle. Genau darin sehen die beiden einen entscheidenden Unterschied zum klassischen Supermarkt.

Eine Spielecke für kleinere Kinder sorgt dafür, dass Familien entspannter einkaufen können. Während die Eltern durch die Regale gehen oder sich beraten lassen, finden die Jüngsten einen Platz zum Spielen. Gleichzeitig versteht sich der Laden auch als Treffpunkt. Kleinere Feierlichkeiten, Workshops oder thematische Abende sollen hier Raum finden. Die Naturkost-Arche ist damit nicht nur Verkaufsfläche, sondern sozialer Ort im Stadtteil.

Neben Sortiment und Qualität legen Sophie und Matthias großen Wert auf Atmosphäre. Eine kleine Spielecke, Sitzmöglichkeiten und der persönliche Austausch an der Theke prägen das Bild. „Im Unterschied zum Discounter ist es hier kein schnelles Abarbeiten des Einkaufszettels, sondern ein bewusstes Erlebnis“, sagt Matthias. Viele Kunden nutzten die Gelegenheit für ein Gespräch – gerade in einem Stadtteil, in dem man sich kennt.

Gleichzeitig sehen die Betreiber noch Potenzial bei der Sichtbarkeit. Immer wieder kämen Anwohner herein, die überrascht seien, dass der Laden überhaupt existiere oder wieder geöffnet habe. Website und Social Media sollen künftig stärker gepflegt werden.

Neue Abfüllstation für Getreide – Matthias Gerdewischke

Blick nach vorn

Geplant ist zudem eine Abfüllstation für Getreide. Kundinnen und Kunden sollen Körner selbst mahlen oder Flocken frisch herstellen können. Perspektivisch denken Sophie und Matthias auch über eine kleine warme Küche an einzelnen Tagen nach. Workshops – von Ernährungsthemen bis zu kreativen Angeboten – sollen das Konzept weiter ergänzen.

Die beiden verstehen die Naturkost-Arche als gemeinschaftliches Projekt, das wirtschaftlich tragfähig und zugleich regional verankert sein soll. Mit dem Mitgliedermodell setzen sie nun einen neuen Akzent – und laden die Görlitzer ein, diesen Weg mitzugehen.

Wer die Naturkost-Arche besuchen möchte, findet sie auf der Bautzener Straße 32 in 02826 Görlitz. Von der Straße aus gelangt ihr bequem in den Innenhof, wo ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen. Im Sommer lädt zudem eine kleine Terrasse vor dem Haus zum Verweilen ein – ideal, um den Einkauf entspannt ausklingen zu lassen oder bei einem Gespräch noch einen Moment sitzen zu bleiben.

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