Der zweite deutsch-polnische Brückenadvent in der Europastadt Görlitz–Zgorzelec mit Mohnstollenverkostung, Bethlehemer Friedenslicht und Brückensingen
Der Brückenadvent 2025 ist der zweite deutsch-polnische Christkindelmarkt an der historischen Altstadtbrücke zwischen Görlitz und Zgorzelec. Was als gemeinsames Adventsformat begonnen hat, hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem festen Termin im Kalender der Europastadt entwickelt. Nicht als klassischer Weihnachtsmarkt mit klaren Grenzen, sondern als offenes, bewusst grenzüberschreitendes Angebot, das den besonderen Charakter dieses Ortes aufgreift und sichtbar macht.

Mohnstollen: Tradition, Handwerk und ehrlicher Vergleich
Gemeinsam mit Gerd Weise von der Görlitzer Kulturservicegesellschaft blickt Ostsachsen.de hinter die Kulissen dieses Wochenendes. Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen, Traditionen und Ideen, die den Brückenadvent prägen: der bekannte Stollenprüfer André Bernatzky, die große Mohnstollenverkostung mit 26 Bäckereien aus der Oberlausitz und aus Niederschlesien, der Wunschbaum mit seinen leisen Botschaften sowie der symbolische Kugeltausch, der Gedanken und Hoffnungen über die Neiße hinweg weiterträgt.












Die Vielfalt war groß: klassisch gefüllte Mohnstollen, Varianten mit höherem Mohnanteil, mit oder ohne Zuckerkruste, saftig oder eher trocken gebacken, fein oder rustikal. Bewertet wurden die Stollen von André Bernatzky, der seit Jahren als Fachmann für regionale Weihnachtsbäckerei gilt. Seine Einschätzungen waren klar, sachlich und nachvollziehbar – ohne Show, ohne Überhöhung.
Dabei ging es nicht um einen Sieger im klassischen Sinn. Vielmehr wurde deutlich, wie unterschiedlich Handwerk sein kann, selbst bei einem scheinbar klar definierten Produkt. Der Mohnstollen zeigte, wie stark regionale Backkultur bis heute verankert ist – und wie sehr sie sich eignet, Menschen zusammenzubringen, ohne viele Worte.



Der Wunschbaum: leise Gedanken im öffentlichen Raum
Abseits der Verkostung stand ein Wunschbaum, der still, aber eindringlich wirkte. Besucherinnen und Besucher konnten dort ihre Gedanken auf kleine Zettel schreiben und anhängen. Manche formulierten Wünsche für ihre Familien, andere für die Stadt, viele für Frieden und Stabilität. Auch Weihnachtskugeln fanden ihren Platz am Baum – bewusst mit der Idee, dass sie vielleicht von jemand anderem mitgenommen werden.
Der Wunschbaum war kein Programmpunkt mit Ansage, sondern ein Angebot. Genau das machte ihn so ehrlich. Wer stehen blieb, las. Wer wollte, schrieb. Die Zettel blieben sichtbar, offen für alle. In ihrer Schlichtheit erzählten sie viel über die Stimmung dieses Wochenendes.
Das Bethlehemer Friedenslicht: eine Geste mit Gewicht
Ein besonderer Moment des Brückenadvents 2025 war die Weitergabe des Bethlehemer Friedenslichts. Die beiden Bürgermeister der Europastadt – Octavian Ursu, Oberbürgermeister von Görlitz, und Rafał Gronicz, Bürgermeister von Zgorzelec – übergaben das Licht gemeinsam an die Besucherinnen und Besucher.
Ohne große Worte, ohne Inszenierung. Das Licht wanderte von Hand zu Hand, über die Brücke, über die Grenze, zwischen Menschen, die sich oft nicht kannten. Gerade diese Schlichtheit verlieh der Geste ihr Gewicht. In einer Zeit, in der politische Spannungen und Kriege allgegenwärtig sind, wirkte das Friedenslicht nicht wie ein Symbol aus der Ferne, sondern wie etwas Konkretes, Greifbares.
Dass beide Bürgermeister diese Übergabe gemeinsam vornahmen, war kein Zufall. Der Brückenadvent versteht sich ausdrücklich als gemeinsames Projekt beider Städte. Das Friedenslicht machte diesen Anspruch sichtbar – nicht als politische Botschaft, sondern als Haltung.







Brückensingen: ein Lied, viele Sprachen
Hunderte Menschen versammelten sich zum gemeinsamen Brückensingen. „Stille Nacht, Heilige Nacht“ erklang nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Polnisch, Englisch, Ukrainisch und Russisch und sogar auf spanisch. Die Entscheidung für diese Sprachen war bewusst gewählt – sie spiegelte die Gegenwart Europas ebenso wie seine Brüche.
Das Singen war kein Konzert. Es gab keinen klassischen Zuschauerraum, keine klare Trennung zwischen Mitwirkenden und Publikum. Wer da war, sang mit. Manche leise, manche laut, manche nur eine Strophe. Der Moment erinnerte an die Geschichte des Liedes selbst – daran, dass es 1914 an Weihnachten an der Front gesungen wurde, als für kurze Zeit die Waffen schwiegen.
Auf der Altstadtbrücke bekam diese Erinnerung eine neue Aktualität. Das Lied verband Stimmen, ohne sie zu vereinheitlichen. Jede Sprache blieb hörbar, keine dominierte. Gerade dadurch entstand ein gemeinsamer Klang.
















Atmosphäre jenseits des Programms
Neben den großen Momenten lebte der Brückenadvent von vielen kleinen Szenen: Gespräche an den Ständen, Kinder, die zwischen den Erwachsenen hindurchliefen, Musiker, die spontan spielten, Besucher, die auf der Brücke stehen blieben und einfach schauten. Der Blick auf die beleuchteten Altstädte beider Seiten verstärkte das Gefühl, an einem besonderen Ort zu sein.
Auch Vertreter aus Kultur, Vereinen und Institutionen waren präsent – nicht abgehoben, sondern mitten im Geschehen. Der Brückenadvent funktioniert nicht über Abgrenzung, sondern über Beteiligung. Wer kommt, ist Teil davon.







Ein Markt mit klarer Idee
Der Brückenadvent verzichtet bewusst auf Überladung. Kein überdimensioniertes Bühnenprogramm, keine dauernde Beschallung. Stattdessen wenige, klar gesetzte Akzente. Mohnstollen, Wunschbaum, Friedenslicht, gemeinsames Singen. Alles greift ineinander, ohne sich aufzudrängen.
Gerade dadurch unterscheidet sich der Brückenadvent von vielen anderen Weihnachtsmärkten. Er ist kein Event zum schnellen Konsum, sondern ein Ort, an dem Inhalte sichtbar werden. Tradition, Nachbarschaft, Verantwortung – Begriffe, die hier nicht erklärt, sondern gelebt werden.
Ausblick auf 2026
Am Ende des Wochenendes stand bereits die Einladung für das kommende Jahr. Der Brückenadvent 2026 wird erneut am zweiten Adventswochenende stattfinden. Die Vorfreude darauf war spürbar – nicht, weil etwas „größer“ werden soll, sondern weil etwas Bewährtes weitergeführt wird.


Christkindelmarkt 2026 in Görlitz
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