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Die prunkvollen Hallenhäuser in Görlitz entdecken

In der gut erhaltenen Altstadt von Görlitz finden Besucher auch die beeindruckenden Hallenhäuser, die sich in früheren Zeiten reiche Tuchhändler erbauen ließen. Mehrere von ihnen stehen zwischen dem Rathaus und der Peterskirche und prägen das Stadtbild der Europastadt. Insgesamt existieren 35 Hallenhäuser in Görlitz. Vorrangig im Mittelalter verkauften die Händler in den weitläufigen Sälen ihre Waren. Ausschließlich zahlungskräftigen Kunden war es damals erlaubt, das Hallenhaus zu betreten. Das einfache Volk blieb in der Vorhalle zurück, in der das Gesinde der Tuchhändler nicht selten das Begrüßungsbier braute.

Hallenhäuser in Görlitz heute:

Viele der heute noch gut erhaltenen Hallenhäuser findet ihr auf der Brüderstraße, dem Untermarkt, der Neißstraße und der Weberstraße, wie das Schlesische Museum, der Frenzelhof und das Biblische Haus. (Aktuelle Ausstellung Hallenhäuser Görlitz, PDF download, Herausgeber: Stadt Görlitz)

Die Besonderheiten der Görlitzer Hallenhäuser

Die repräsentativen Hallenhäuser besitzen Elemente aus der Gotik, der Renaissance und des Barocks. Speziell die verzierten Fassaden fesseln die Aufmerksamkeit der Betrachter. Die Hallenhäuser in Görlitz finden die Besucher am Obermarkt, dem Untermarkt und der Neißstraße. Hier stehen die größten der auch als Stadtpaläste bezeichneten Gebäude. Weitere Synonyme lauten beispielsweise Patrizierhäuser oder Handelshöfe. Johann Wolfgang von Goethe bezeichnete sie sogar als „Kaufmannsburgen„.

Die Vorgängerbauten der Hallenhäuser besaßen die strukturierten Giebelhausachsen aus der Gotik. Das Element zeigt sich noch immer bei den Handelshöfen sichtbar. Zudem unterscheiden sie sich aufgrund ihres prunkvollen Aussehens deutlich von den bescheideneren Handwerkshäusern in den Nebenstraßen. Speziell um das Jahr 1500 erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, der aus dem Fernhandel resultierte. Den Reichtum der Tuchhändler erkennen die Touristen noch in der heutigen Zeit an den Schmuckelementen ihrer Häuser.

Sie weisen eine gereifte Bautechnik auf, die Funktionalität mit einem kulturellen Anspruch verbindet. In den großen Hallen, die zahlreiche baukünstlerische Besonderheiten besitzen, boten die Händler ihre Waren feil. Demnach planten sie die einzelnen Räume nutzungsspezifisch. Zu den bekannten Hallenhäusern von Görlitz gehören beispielsweise der „Schönhof“ und der „Goldene Baum“. Das Biblische Haus mit seinem Fassadenschmuck, der Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zeigt, zählt zu den beeindruckenden Handelshöfen.

Ein besonderes Merkmal der Bauten besteht in den reich verzierten Fronten. Die Mehrzahl der Immobilien besitzt eine figürlich geschmückte Renaissancefassade. Dabei gelangten die Fresken oftmals im Nachhinein an die Häuser. Diese besaßen bereits vor dem Jahr 1525 backsteingotische Fassaden, Portale und Sandsteingewände. Erst um 1530 erhielten die Gebäude Elemente aus der italienischen Renaissance. Im Vergleich zu dem Fassadenschmuck im Mittelmeerraum zeigen sich die Verzierungen an den Hallenhäusern in Görlitz derber. Der Umstand macht den rustikalen Charme der einzelnen Stilelemente aus.

Zu ihnen gehören beispielsweise florale Ornamente. Speziell die Blütenkassetten nehmen bei den Ausschmückungen einen hohen Stellenwert ein. Die Besucher finden an den Hallenhäusern vorrangig Kreuzblüten sowie Akanthusranken. Die Sitznischenportale verfügen über allegorische Figuren und vorwiegend aus dem Christentum stammende Inschriften. Die Fenstergewänder erinnern an Fensterbände und besitzen profilierte Verdachungen und Fensterbänke. Um die Erker prunkvoll zu gestalten, verwendeten die damaligen Bildhauer Säulen und Pilaster. In den Görlitzer Handelshäusern finden sich zahlreiche Kompositsäulen.

Weitere Merkmale der Görlitzer Hallenhäuser zeigen sich in Form von Ecklisenen, Gurtsimsen und Pfeiler. Letztere erweisen sich als gefüllte Kanneflure an Lauben und Säulen. Des Weiteren bestehen die Gebäude aus mehreren Hallen. Zu den einzelnen Bestandteilen zählen: die Eingangshalle, das Lagergewölbe, der Braukeller, das Treppenhaus, der Renaissancesaal, die Bohlenstuben, die Kapelle, die Wohnräume, der Sanitärbereich und die Portale.

Historisches zu den Hallenhäusen

Die Eingangshallen verfügen über eine besondere architektonische Raffinesse. Ihre gewölbte Decke sorgte für eine optische Vergrößerung der Räume. Des Weiteren erkennen die Besucher an den beeindruckenden Treppenanlagen Galerien, Emporen und Brüstungen. Die Zentralhalle, auch Lagergewölbe genannt, bildet das Herz der Hallenhäuser in Görlitz. Im Regelfall stehen die Handelshöfe auf schmalen Grundstücken. Dadurch entsteht eine längere Bauform, bei der im mittleren Teil des Gebäudes der Lichteinfall fehlt. Speziell für die Tuchhändler erhielt das Sonnenlicht jedoch einen hohen Stellenwert.

Sie priesen ihre Handelsgüter in den Hallen an und die Käufer sollten diese ausführlich betrachten. Daher besitzen die Hallenhäuser Treppenlichthallen. Das bedeutet, die damaligen Baumeister verbauten mehrere der schmalen gotischen Vorgängerhäuser miteinander, wobei die Lichthalle – der hellste Punkt – den Mittelpunkt bildete. Um die prunkvollen Hallenhäuser in Görlitz zu besichtigen, schließen sich die Touristen beispielsweise einer Stadtführung an. Bei der zweistündigen „Hallenhausführung“ gelangen die Teilnehmer in die prächtigen Bauten und erfreuen sich an deren architektonischen Besonderheiten.

Dabei bemerken die Besucher, dass beinahe alle Hallenhäuser einem spezifischen Raumschema folgen. Das bedeutet, dass sich die einzelnen Bestandteile bei den einzelnen Gebäuden wiederholen. Bei der Führung besichtigen die Touristen vier bis fünf der berühmtesten Handelshöfe in Görlitz. Abhängig vom jeweiligen Wochentag variieren die besuchbaren Hallenhäuser.

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