Wer durch die Görlitzer Altstadt läuft, bewegt sich nicht nur durch mehrere Jahrhunderte europäischer Baugeschichte. An vielen Ecken steht man zugleich mitten in bekannten Filmkulissen. Görlitz hat seit den 1950er-Jahren zahlreiche nationale und internationale Produktionen beherbergt. Seit 2013 wird dafür auch die Marke Görliwood® genutzt.
Eine Stadtführung durch die Filmstadt verbindet deshalb zwei Themen, die in Görlitz ungewöhnlich gut zusammenpassen: Architektur und Filmgeschichte. Statt lediglich Drehorte abzuhaken, lässt sich dabei nachvollziehen, warum ein Platz oder Gebäude vor der Kamera plötzlich eine völlig andere Stadt darstellen kann. Informationen zu den aktuellen Filmstadtführungen veröffentlicht die Görlitz-Information auf der offiziellen Görliwood-Seite.
Warum lohnt sich ein Besuch?
Görlitz besitzt nach Angaben der Stadt fast 4.000 Baudenkmale aus rund 500 Jahren europäischer Baugeschichte. Gotik, Renaissance, Barock, Gründerzeit und Jugendstil liegen teilweise nur wenige Gehminuten auseinander. Genau diese Vielfalt macht die Stadt auch für Filmproduktionen interessant: Mit vergleichsweise kurzen Wegen lassen sich sehr unterschiedliche historische Stadträume finden.
Zu den in Görlitz entstandenen Produktionen gehören unter anderem Der Vorleser, Goethe!, Inglourious Basterds, Die Bücherdiebin und The Grand Budapest Hotel. Wer einige dieser Filme kennt, wird während eines Rundgangs manches Gebäude wiedererkennen – allerdings häufig erst auf den zweiten Blick.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
Untermarkt
Der Untermarkt gehört zu den wichtigsten Stationen einer Tour durch die Filmstadt. Nach Angaben der Stadt wurden hier besonders viele Produktionen gedreht. Der Platz war unter anderem in Goethe!, In 80 Tagen um die Welt, Die Bücherdiebin, Inglourious Basterds, Der Hauptmann und Der Zauberlehrling zu sehen. Einen Überblick bietet die offizielle Seite zu den schönsten Görliwood-Drehorten.
Brauner Hirsch
An der Neißstraße steht mit dem Braunen Hirsch ein besonders wandelbarer Drehort. Seine Innenräume dienten beispielsweise als Apotheke in Der Zauberlehrling, als Gasthof in Der junge Karl Marx und als Hotel in Der Hauptmann. Filmschaufenster informieren dort über die Görlitzer Filmgeschichte und einzelne Produktionen.
Peterskirche und Altstadtbrücke
Auch ohne Filmbezug sollte der Weg zur Peterskirche führen. Ihre beiden Türme bestimmen die Silhouette der Altstadt. Direkt darunter verbindet die Altstadtbrücke Görlitz mit dem polnischen Zgorzelec. Wer genügend Zeit mitbringt, kann den Rundgang deshalb problemlos um einen kurzen Abstecher über die Neiße erweitern.
Kaufhaus Görlitz
Das historische Kaufhaus gehört zu den bekanntesten Filmorten der Stadt. Für Wes Andersons The Grand Budapest Hotel wurde insbesondere sein Innenraum zur Filmkulisse. Auch spätere Produktionen nutzten das Gebäude. Da sich Zugänglichkeit und Führungsmöglichkeiten ändern können, sollte vor einem geplanten Besuch der aktuelle Stand geprüft werden.
Besondere Orte abseits der bekannten Wege
Wer nach Untermarkt und Peterskirche noch Zeit hat, sollte die Nikolaivorstadt einbeziehen. Dort liegen der Nikolaifriedhof und das Heilige Grab. Die Anlage gilt laut Stadt als älteste erhaltene Nachbildung des Jerusalemer Originals. Dieser Teil von Görlitz hat mit der Filmstadt zunächst wenig zu tun, zeigt aber besonders gut, wie stark sich das Stadtbild innerhalb weniger Minuten verändert.
Eine weitere Möglichkeit ist der Walk of Görliwood®. Der digitale Rundgang führt mithilfe der kostenlosen SmartGuide-App zu Drehorten im gesamten Stadtgebiet. Insgesamt umfasst das Angebot 36 Stationen auf einer Strecke von 45 Kilometern. Niemand muss diese Strecke komplett zurücklegen: Start und Ende können individuell gewählt werden. Görliwood-Sterne im Stadtgebiet weisen auf Stationen hin.
Essen und Einkehren
Für eine Pause muss man die historische Altstadt nicht verlassen. Rund um Untermarkt, Neißstraße und die angrenzenden Gassen befinden sich Restaurants und Cafés. Angeboten werden unter anderem schlesische, böhmische und internationale Gerichte. Gerade der Untermarkt eignet sich als Zwischenstopp, weil sich von hier aus der Rundgang anschließend ohne größere Umwege fortsetzen lässt.
Konkrete Öffnungszeiten sollten direkt bei den jeweiligen Betrieben geprüft werden. Eine touristische Übersicht zum Thema Essen bietet die Stadt unter Görlitz kulinarisch.
Unterwegs mit Kindern
Für Familien kann das Filmthema ein guter Zugang zur Stadtgeschichte sein, besonders wenn die Kinder bereits einen in Görlitz gedrehten Film kennen. Die Stadt nennt beispielsweise Der Zauberlehrling als Anknüpfungspunkt für Familien. Zusätzlich lassen sich am Untermarkt der bekannte Flüsterbogen sowie zahlreiche Figuren und Details an den historischen Fassaden suchen.
Zu beachten ist das historische Straßenpflaster. Bei längeren Rundgängen kann es für kleine Kinder anstrengend werden. Spielplätze unter anderem im Stadtpark und an der Uferstraße bieten Möglichkeiten für eine Pause. Daneben gibt es einen speziellen Erlebnisrundgang für Familien. Aktuelle Hinweise bündelt die Stadt auf ihrer Seite Görlitz für Familien.
Unser Vorschlag für einen Rundgang
- Obermarkt: Start an der Görlitz-Information und erster Blick auf die historische Innenstadt.
- Untermarkt: Filmkulissen entdecken und Rathaus, historische Bürgerhäuser sowie den Flüsterbogen ansehen.
- Neißstraße: zum Braunen Hirsch und zu den Filmschaufenstern gehen.
- Peterskirche: weiter durch die Altstadt bis zur Kirche und zur Altstadtbrücke.
- Zgorzelec: bei ausreichend Zeit einen kurzen Abstecher über die Neiße einplanen.
- Mittagspause: zurück in der Altstadt einkehren.
- Nachmittag: je nach Interesse zum Kaufhaus, in die Nikolaivorstadt mit Heiligem Grab oder weitere Stationen des Walk of Görliwood besuchen.
Wer tiefer in die Filmgeschichten einsteigen möchte, sollte statt eines rein individuellen Spaziergangs eine geführte Tour wählen. Die öffentliche Führung „Görliwood – Filmreife Geschichten aus der Görlitzer Altstadt“ dauert laut aktueller Ausschreibung etwa 90 Minuten und behandelt neben Drehorten auch Kulissenbau, Kameraperspektiven und Tricks der Filmproduktion. Termine und Konditionen können sich ändern und sollten vor der Anreise im aktuellen Stadtführungsprogramm geprüft werden.
Anreise und Parken
Mit dem Auto ist Görlitz unter anderem über die A4 sowie die Bundesstraßen B6, B99 und B115 erreichbar. Für Besucher der Altstadt ist das ausgeschilderte Parkleitsystem „Görlitzer Parkring“ hilfreich. Es führt unter anderem zu den Parkplätzen Altstadt und Christoph-Lüders-Straße sowie zu Parkhäusern am City Center und am Bahnhof.
Wer mit der Bahn anreist, kann vom Görlitzer Hauptbahnhof zu Fuß in Richtung Innenstadt und Altstadt starten. Aktuelle Informationen zu Zufahrten, Parkflächen und Parktarifen stehen auf der offiziellen Seite zu Parken in Görlitz.
Häufige Fragen zur Filmstadt Görlitz
Warum heißt Görlitz Görliwood?
Der Name spielt auf die lange Geschichte von Görlitz als Drehort an. Die Stadt nutzt Görliwood® seit 2013 als Marke für ihr touristisches Filmstadtmarketing.
Welche bekannten Filme wurden in Görlitz gedreht?
Zu den bekannten Produktionen zählen unter anderem Der Vorleser, Goethe!, Inglourious Basterds, Die Bücherdiebin, In 80 Tagen um die Welt und The Grand Budapest Hotel.
Kann man die Drehorte ohne Führung entdecken?
Ja. Dafür gibt es den kostenlosen digitalen Walk of Görliwood mit SmartGuide-App. Wer Hintergründe zu Dreharbeiten, Kulissen und einzelnen Filmszenen erfahren möchte, bekommt bei einer geführten Tour allerdings deutlich mehr Kontext.
Wie viel Zeit sollte man für die Filmstadt einplanen?
Für die zentralen Drehorte in der Altstadt reichen einige Stunden. Wer zusätzlich Peterskirche, Nikolaivorstadt, Heiliges Grab, Zgorzelec oder weitere Stationen des Walk of Görliwood besuchen möchte, sollte einen ganzen Tag einplanen.
Wo gibt es aktuelle Informationen zu Führungen?
Aktuelle Termine, buchbare Führungen und Informationen zur Filmstadt veröffentlicht die Görlitz-Information unter goerlitz.de/Goerliwood.html. Da Termine, Preise und Zugänglichkeiten einzelner Drehorte wechseln können, empfiehlt sich eine Prüfung kurz vor dem geplanten Besuch.

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