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Lausitz Festival 2022 »aufBruch« in eine neue Zeit

Das Lausitz Festival vom 25. August bis 16. September 2022 präsentiert knapp 50 Veranstaltungen und 550 Künstler an ungewöhnlichen Spielorten in der Ober- und Niederlausitz. Das vom Intendanten des Festivals, Prof. Daniel Kühnel geprägte Inspirationswort „aufBruch“ macht den Bruch als Voraussetzung für Veränderungen assoziierbar. Mit Stars und lokalen Künstlern könnte dieser Anspruch bestens erfüllt werden.

Lausitz  Festival

Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH
Brüderstraße 9, 02826 Görlitz
+49 (0) 3581 428480

»aufBruch« ist die Gestaltung der Welt ohne Referenz.

Ein künstlerischer Akt, eine Überschreitung unseres Wissens und unserer Erinnerung, eine notwendige Frechheit sozusagen. Das sagt Intendant Prof. Daniel Kühnel und lässt im Lausitz Festival eine ausgefallene Produktion von Shakespeares »Caesar« in einer alten Industriehalle mitten in Weißwasser/O.L. aufführen. Das Stück hätte zweifellos ins Görlitzer Theater oder Cottbuser Staatstheater gepasst. Aber gerade der Bruch von Stück und Ort, die innewohnende Neuentdeckung der Lausitz und die dadurch mögliche Interaktion von Künstlern und Publikum sorgen für den besonderen Reiz des Festivals. Das ist auch in den Jahren davor ein Grundsatz gewesen: Orte entdecken, bespielen und die Menschen vor der Haustür direkt mit Stars und Künstlern der Region abholen.

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Aber in diesem dritten Jahr ist etwas anders, neu und sorgt für große Freude bei den Organisatoren der Kulturservice Gesellschaft mbH. Künstler und Kulturschaffende wollen an ganz bestimmte Plätze, fragen gezielt nach Lausitzer Spielorten, die sonst nie in einem Kulturkalender auftauchen. Der Südafrikaner Abdullah Ibrahim, beispielsweise, reist für einen Auftritt am 13. September direkt nach Herrnhut zur Brüdergemeine, die in diesem Jahr ihr 300-jähriges Bestehen feiert. Eine Glaubensgemeinschaft, von der Nelson Mandela einmal sagte, es seien die einzigen Weißen gewesen, die nicht genommen, sondern gegeben hätten. Der Jazzer begibt sich damit auf die Spuren des Freiheits-Kämpfers Mandela, der als Anerkennung für den Beitrag der Missionare zur Überwindung der Apartheid die offizielle Residenz des Präsidenten Genadendal, nach der ersten Missionsstation im südlichen Afrika benannte. Jetzt schließt sich der Kreis.

Das Lausitz Festival 2022 bleibt sich also treu und bricht zugleich erneut auf, um interdisziplinär Kunst und Kultur, von Barock bis Moderne in bekannte und vor allem unbekannte Orte im Herzen Europas zur bringen. Luckau und Oybin, Bad Liebenwerda und Görlitz, Wrocław, Peitz, Cunewalde und eben auch Weißwasser/O.L. zählen zu den 25 Orten, an denen in diesem Jahr 550 Künstler auftreten.

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MARTHA ARGERICH UND MISCHA MAISKY, 30. August, Dorfkirche Cunewalde, Foto © Pawel Sosnowski

Es gibt im feingeistig und mutig komponierten Programm einen Chorschwerpunkt und auch eine philosophische Gesprächsreihe, Theatervorstellungen, Konzerte, Liederabende, Ausstellung und literarische Lesungen. Ermöglicht wird diese Offerte der Kultur durch die erneute Finanzierung durch Bund, Bundeskulturstiftung, Sachsen und Brandenburg. Dieser Wandel der Strukturen braucht vielfältige Impressionen der nicht alltäglichen Art. Und so können die Lausitzliebhaber, herzensoffenen und reisefreudigen Besucher beispielsweise Weltstars wie Martha Argerich mit dem Star-Cellisten Mischa Maisky in der Dorfkirche Cunewalde im 800. Jahr des Ortes erleben – eine jener Kirchen, die problemlos 2500 Menschen Platz bietet. Solche Namen beeindrucken. Mindestens ebenso wirkt die Entscheidung, in der Lausitz natürlich auch sorbische Wurzeln kulturell zu pflegen. Und so wird beispielsweise das Musiktheaterstück »Der Nix: Tanz mit dem Wassermann« im sorbischen Schusterhof Trebendorf aufgeführt- eine kulturelle Vermittlung zwischen Deutsch und Sorbisch in Sprache und musikalischem Klang.

Der kulturelle Aufbruch ist damit auch der Beginn für das Wiederentdecken der Gemeinsamkeit- in der Lausitz, aber auch in Europa. Mit Kunst und Kultur haben Menschen die Möglichkeit zueinander zu finden auf ganz neuem Terrain.

Das Festival selbst ist dafür das beste Beispiel: unzählige Partner, Unterstützer, Mitwirkende Künstler und Macher bieten nicht nur Hochgenuss an Hochglanzorten, sondern vielfältige Möglichkeiten der gemeinsamen ästhetischen Rezeption von Kunst. Die Nähe zu den Menschen vor Ort hat etwas unglaublich positives und schafft eine neue Dimension des Aufbruchs. Die Herausforderungen der Gegenwart lassen einen Transformationsprozess unvermeidbar werden. In ihm liegt aber auch die Chance, diesen Prozess selbst in die Hand zu nehmen. Im Rückblick auf die vorangegangenen Lausitz Festivals ist dieser Anspruch nicht zu hoch gegriffen.

Wer im Programm stöbert, findet Weltstars aus den vergangenen Jahren wieder – und neue gleich mit dazu. Es ist ein Aufbruch der Kunst und der Künstler. Und diese Reise lohnt sich.