Gesundheit

Impfreaktionen bei Kindern » wir fragen die Kinderärztin

Das Immunsystem hat sich an die Arbeit gemacht!

Eine der größten Errungenschaften unserer Zeit ist die Schutzimpfung gegen verschiedene Infektionskrankheiten. In Deutschland lassen fast alle Eltern ihre Kinder nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) impfen und trotzdem verunsichern falsche Meldungen oder Berichte von extrem seltenen Nebenwirkungen die Bevölkerung. Impfreaktionen sind bei Kindern zu erwarten und legen sich in der Regel nach wenigen Tagen wieder. Je besser Du informiert bist, desto entspannter kannst Du mit der Situation umgehen.

MMR-Impfung: Dreifachimpfung bei Kindern Copyright: naumoid, bigstockphoto

Wie Impfreaktionen bei Kindern aussehen

Eine Impfung bedeutet, dass der Körper in Kontakt mit abgeschwächten oder inaktivierten Krankheitserregern kommt. Das Immunsystem reagiert darauf mit der Bildung von Antikörpern, die Dein Kind später schützen sollen. Typische körperliche Anzeichen für eine solche ungefährliche Impfreaktion sind

  • in circa 20 Prozent der Fälle eine kurzzeitige Schwellung und Rötung der Impfstelle an Arm oder Bein,
  • bei bis zu 10 Prozent der Impflinge Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit oder Durchfall.

Komplikationen sind hier nicht zu erwarten. Nach wenigen Tagen geht es Deinem Kind wieder gut. Echte Nebenwirkungen einer Impfung wie zum Beispiel allergische Reaktionen treten nur selten auf.

Baby nach der Impfung Copyright: O_Lypa bigstockphoto,

Moderne Impfstoffe sind streng kontrolliert und arm an Nebenwirkungen

Bei uns in Deutschland kontrolliert das Paul-Ehrlich-Institut alle Impfstoffe und lässt sie für den Markt zu, wenn ihre Verwendung unbedenklich ist. Sicherheit und Wirksamkeit wurden bei jeder Impfung, die Dein Kind beim Kinderarzt erhält gewissenhaft geprüft. Haben die Wissenschaftler begründete Zweifel, wird die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut) den Impfstoff nicht empfehlen. Moderne Vakzine enthalten weniger Konservierungsstoffe als noch zu Deiner Kinderzeit. Kombinationsimpfungen tragen dazu bei, die Belastung Deines Kindes mit Zusatzstoffen so gering wie möglich zu halten. Und weniger Impftermine bedeuten auch weniger mögliche Impfreaktionen für Deinen Nachwuchs.

Fünf Fakten zum Thema Impfreaktionen bei Kindern

  1. In Deutschland kommen nur gewissenhaft auf ihre Sicherheit und ihre Wirksamkeit überprüfte Impfstoffe auf den Markt.
  2. Konservierungs- und Trägerstoffe können durch die Verwendung von Kombinationsimpfungen deutlich reduziert werden.
  3. Leichte Impfreaktionen kommen häufig vor und haben in der Regel keine negativen Folgen für die betroffenen Kinder.
  4. Eine Rötung und Schwellung der Einstichstelle bemerken circa 20 Prozent der Eltern als leichte Impfreaktion bei ihren Kindern.
  5. Bis zu zehn Prozent der kleinen Impflinge leiden nach der Impfung an Fieber, Schmerzen, Unruhe oder Symptomen des Magen-Darm-Trakts.

Impfreaktionen am Beispiel der Immunisierung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR)

Die STIKO empfiehlt für Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten und von 15 bis 23 Monaten jeweils eine Impfdosis gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR). Eine Kombination mit dem Schutz vor Windpocken, der Kinderarzt spricht auch von Varizellen, ist möglich. MMR ist ein Lebendimpfstoff. Aus diesem Grund kannst Du eine Impfreaktion bei Deinem Kind erst fünf bis 12 Tage nach der Injektion erwarten. Wundere Dich aber nicht, wenn Dein Kind nicht auf die Impfung zu reagieren scheint. Achte auf folgende Symptome:

  • Schwellung und Rötung der Einstichstelle
  • Berührungsempfindlichkeit an der Umgebung der Impfstelle
  • Hautausschlag (Impfmasern oder Impfwindpocken)
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Unruhe
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall

Die genannten Beschwerden als Ausdruck von Impfreaktionen bei Kindern verlaufen in der Regel unkompliziert und legen sich von alleine wieder. Circa drei Tage solltest Du Deinem Kind dafür zugestehen. Machst Du Dir Sorgen? Dann suche bitte Rat bei Eurem Kinderarzt. Er kann die Situation gut einschätzen. Du hilfst Deiner Tochter oder Deinem Sohn, indem Du die Einstichstelle vorsichtig kühlst, regelmäßig etwas zu Trinken anbietest und bei Bedarf Fieber und Schmerzen mit Ibuprofen oder Paracetamol linderst. Am nächsten Morgen ist der Spuk vielleicht schon vorbei.

Leichte Impfreaktionen bei Kindern oder doch unerwünschte Nebenwirkung?

Kommt es im Zusammenhang mit einer Impfung zu einer ernsthaften Nebenwirkung, geht dieser seltene Fall sofort durch die Presse. Viele Eltern reagieren verunsichert und verlieren die Millionen von Kindern aus dem Blick, die ohne Komplikationen sicher vor gefährlichen Infektionskrankheiten geschützt werden konnten. Eine persönliche Beratung von Eurem Kinderarzt kann Dich beruhigen. So gehst Du gut informiert in die Impfsituation und kannst Dein Kind optimal begleiten und unterstützen.

Ernsthafte Nebenwirkungen, die Ärzte als Folge einer Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln beobachtet haben:

→ Bei weniger als einem von 10.000 Kindern kann es nach einer Impfung zu einem Krampfanfall kommen. Fieber kann, muss aber nicht gleichzeitig auftreten. Normalerweise behalten die betroffenen Kinder keine bleibenden Schäden und entwickeln auch keine Epilepsie im Anschluss.

→ In der Literatur im Zusammenhang mit Impfreaktionen bei Kindern beschrieben ist weiterhin die sogenannte hypoton-hyporesponsive Episode. Die kleinen Patienten werden plötzlich schlaff und reagieren für wenige Minuten nicht adäquat auf Ansprache. Auch wenn ein solches Ereignis sehr dramatisch wirken kann bleiben bei den betroffenen Kindern in der Regel keine Schäden zurück.

→ Kinderärzte beobachten in seltenen Fällen allergische Reaktionen auf einen Impfstoff.

Copyright: REDPIXEL.PL bigstockphoto

Mögliche Impfreaktionen bei Kindern sind Bestandteil der Aufklärungspflicht Eures Kinderarztes

In Deutschland empfiehlt der Staat offiziell zahlreiche Schutzimpfungen gegen verschiedene Infektionskrankheiten. Meist sind Kinder die Zielgruppe. Du als Elternteil trägst die Verantwortung für diese weitreichende Entscheidung. Aber nur eine informierte Entscheidung kann auch eine gute Entscheidung sein. Euer Kinderarzt führt die Impfung durch und hat daher auch die gesetzlich festgelegte Pflicht, Euch und Euer Kind zu Risiken und Nutzen der Maßnahme aufzuklären. Zu erwartende Impfreaktionen bei Kindern gehören selbstverständlich zu diesem persönlichen Beratungsgespräch dazu. Stelle alle Dir wichtigen Fragen und diskutiere auch ein abweichendes Impfschema mit dem Mediziner, wenn Du gute Gründe dafür hast. Ohne Deine Zustimmung darf Dein Kind in Deutschland niemand impfen.

Quellen und Links:

 

hier schreibt:

Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Sie informiert unsere Leser als Expertin über Themen der Gesundheit.
Jetzt weiterlesen:
Gesundheit

Risikofaktor Harnsäure Werte erhöht

Gesundheit

Wie oft kann man an Scharlach erkranken?